für 300 000 Mark

Essen

Als im letzten Jahr Rat und Verwaltung der Stadt Essen ein imposantes Rathaus eröffneten, gab es damals schon Kritik am Baupreis von fast 250 Millionen Mark und an der Architektur: eine durchsichtige spiegelnde Fassade und Sicherheitsportale, die sich in Sekundenschnelle schließen lassen – zum Schutz der Bürokraten vor etwaigen Bürgerstürmen.

Und als jetzt die dazugehörige „Kunst am Bau“ eingeweiht wurde, brach unter den rund 50 000 Einweihungsgästen, die durch eine groß angelegte Propaganda angelockt worden waren, entweder brüllendes Gelächter oder Protestgeschrei aus. Was war geschehen? Für ihr neues Rathaus hatten sich die Verwaltung und der zuständige Sonderausschuß des Stadtrats „modernste und zukunftweisende Art der nächtlichen Ausleuchtung“ vorgestellt. Den Zuschlag erhielt die Kölner Firma Lauk für eine Laserstrahlanlage. Das Kölner Unternehmen hatte die Verantwortlichen in Essen freilich nicht etwa mit bereits ausgeführten Arbeiten überzeugen können, sondern sie vielmehr mit einer Ton-Dia-Schau geblendet, in der das Rathaus im Modell im hellsten Laserlicht erstrahlte.

Ein Jahr lang dauerte die Realisierung des Ganzen – von der Planung bis zur Installation der Geräte. Den ganzen November über warb die Stadtverwaltung mit allen Mitteln und buchstäblich in aller Welt; eine Weltneuheit, ein Weltereignis, eine Weltsensation wurden versprochen. Und noch Sekunden vor der Einweihung pries Oberbürgermeister Horst Katzor (SPD) „die größte stationäre Lichtskulptur-Laser-Anlage der Welt“.

Was dann aber strahlte, war nur ein einzelnes grünliches Laserlicht – waagerecht vom Kopf des 102 Meter hohen Rathauses, wie ein Kommentar erklärte, „bis weit ins Bergische Land“. Nach einer Minute wurde der Strahl zu den Rhythmen einer Jazz-Band von einem anderen Strahl abgelöst, der, senkrecht nach oben, allerdings schon nach wenigen Metern an niedrig hängenden Wolken endete.

Dann dauerte es zwei Minuten, bis zwei Strahlen gleichzeitig an zwei Ecken des Essener Rathauses entlangkrochen. Sie versuchten, die Zuschauer fast fünf Minuten lang in ihrem Bann zu halten, ehe sie von dem waagerechten Strahl von vorher abgelöst wurden. Den Zuschauern, denen der Blick ins Bergische Land durch Stadtarchitektur verstellt war, kam das alles irgendwie komisch vor. Eine halbe Stunde lang lief das Sensationsprogramm „waagerecht ins Bergische Land, senkrecht bis an die Wolken, beleuchtete Rathausecken und dann wieder von vorne“, bis die ersten Rufe laut wurden: „Wat’n Scheiß“ und „Oberbürgermeister, wo bleibt die Laserschau?“