Gepflegt „Asylum“ von Roy Ward Baker ist eine englische Horror-Ausgrabung aus dem Jahr 1972, eine typische Amicus-Produktion. Während sich Britanniens berühmtes „House of Horrors“, Hammer Films, vorwiegend der Wiederbelebung klassischer Genre-Mythen widmete, waren Horror-Episoden-Filme („Der Foltergarten des Dr. Diabolo“, 1967; „Geschichten aus der Gruft“, 1971) die Spezialität dieses weniger bekannten Hauses, zu dessen bevorzugten Autoren Robert Bloch („Psycho“) gehörte, der auch zu „Asylum“ das Drehbuch schrieb. Einem jungen Psychiater wird eine Anstellung in einer Nervenheilklinik versprochen, wenn er unter den Patienten, die ihm ihre Krankengeschichten erzählen, den wahnsinnig gewordenen ehemaligen Anstaltsleiter herausfinden kann. Geschickt haben Bloch und Regie-Routinier Baker („Dr. Jekyll und Sister Hyde“) die vier Episoden – „Frozen Fear“, „The Weird Tailor“, „Lucy Comes to Stay“ und „Mannikins of. Horror“ – mit der Rahmenhandlung verknüpft. Die hervorragenden Darsteller (Peter Cushing, Herbert Lom, Patrick Magee, Robert Powell, Richard Todd, Britt Ekland, Charlotte Rampling), das Gespür für atmosphärisches Grauen und skurrile Phantastik lassen „Asylum“ im Vergleich zur derzeit populären blutrünstigen Brutalowelle im Horror-Film fast etwas antiquiert erscheinen: gepflegter Grusel, angenehm schaurig. Helmut W. Banz

Langweilig

„Das Imperium schlägt zurück“ von Irvin Kershner ist nicht etwa der zweite Teil der „Star Wars“-Saga, sondern bereits deren fünfter. Insgesamt neun Filme über die Abenteuer von Luke Skywalker, Han Solo und ihrer blassen Prinzessin will George Lucas innerhalb von zwanzig Jahren hergestellt haben. Es begann, etwas verwirrend, mit dem ersten Film der zweiten Trilogie („Krieg der Sterne“), die Vorgeschichte soll. scheibchenweise nachgeliefert werden. Die Reize des monumentalsten Unternehmens der Filmgeschichte bleiben vorerst arg bescheiden: Wie in „Star Wars“ (noch von Lucas selber inszeniert) sind auch in Kershners „The Empire strikes back“ ausgetüftelte Schauwerte und Spezialeffekte allemal wichtiger als die Figuren und deren dürre Leidenschaften. Noch konsequenter als Lucas reduziert Kershner das Personal auf eine Assemblage von Comic-Strip-Charakteren ohne Herz und Verstand. So findet man es überhaupt nicht spannend, was mit diesen leeren, langweiligen Weltraum-Bewohnern passiert: ob sie leben oder sterben, ob Luke das Duell gegen den schwarzen Schurken Darth Vader (seinen Vater, immerhin) gewinnt oder nicht, ob sich Leia und Han Solo kriegen (es kommt auch was dazwischen) oder ob der ganze teure Ramsch in die Luft fliegt. Lucas und Kershner, die nichts begriffen haben von Hollywoods Kunst des Geschichtenerzählens, die zwar von Märchen reden, aber nur Computer-Ausdrucke liefern, sind viel zu vernarrt in ihre pausen- und sinnlos vorgeführte Kino-Technologie (Spezialeffekte: Brian Johnson, Richard Edlund), um sich für solche Nichtigkeiten wie lebendige Menschen zu interessieren. Da stimmt es schon traurig, wenn man den Namen von Howard Hawks’ langjähriger Drehbuchautorin Leigh Brackett (die noch vor Beginn der Dreharbeiten starb) im Vorspann liest. Hans C. Blumenberg

Dilettantisch

„Kreuzberg Ahoi“ von Steven Adamczewski und Christian Sievers handelt in und zwischen dilettantisch kadrierten Bildern von einem Leben in Berlin-Kreuzberg, ohne vom Leben in Berlin-Kreuzberg zu handeln. Wenn da ein Mann, der wie ein Seemann aussieht, gerade in Berlin ankommt, dann findet er einen Betrunkenen am Wegrand und wirft ihn sich über die Schultern. Wenn die Frau, die die Tochter des Betrunkenen ist, am nächsten Morgen, als sie ihrem Vater das Frühstück bringen will, beide zusammen im Bett findet, dann läßt sie mit einem schrillen Schrei das Tablett fallen. Wenn dieser Seemann später sich seinen Bart abgenommen hat und im Zimmer des zuvor Betrunkenen, der eigentlich ein Holzschnitzer ist, dessen Arbeiten entdeckt, dann erkennt er darin wahre Kunst. Und wenn dieser Seemann irgendwo wahre Kunst entdeckt, dann denkt er an Geld. Also geht er mit dem Holzschnitzer zum Trödelmarkt und verkauft eines der Werke für 10 000 Mark. Bei solchem Erfolg ist beiden schnell klar, daß sie im Grunde ihres Herzens wahre Künstler sind. Also gehen sie hin: singen und malen und geben ein Happening und spielen Theater. Unterdessen wird aber das, was mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln eine Komödie sein will, zur Tragödie. Das Dilettantische im Film, das sind ja nicht nur laienhafte Spielereien mit Filmdarstellern und filmischer Darstellung, mit verschrobenen Tönen, Gesten und Blicken, mit verwackelten und unscharfen Bildern, das Dilettantische im Film ist auch der unfähige Umgang mit den bereits entwickelten Möglichkeiten des Films. Der Mann, der wie ein Seemann aussieht, wird sich am Ende noch bewußt, daß er eigentlich nur ein einfacher Matrose ist. Auf dem Weg zum Hafen begegnet ihm ein anderer Mann, der wie ein Seemann aussieht. Der kommt gerade in Berlin an. Norbert Grob

Empfehlenswerte Filme „Willkommen, Mr. Chance“ von Hal Ashby. „Gloria“ von John Cassavetes. „Shining“ von Stanley Kubrick. „Kagemusha“ von Akira Kurosawa. „Atlantic City USA“ von Louis Malle. „Peeping Tom“ von Michael Powell. „Christus kam nur bis Eboli“ von Francesco Rosi. „Berlin Chamissoplatz“ von Rudolf Thome.