Die Herausforderung aus Fernost kommt zur rechten Zeit

Von Michael Jungblut

Seit Mitte dieses Jahres grassiert in der Bundesrepublik die Japan-Hysterie. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht in den Medien von neuen Erfolgen der fernöstlichen Wirtschaftsmacht berichtet wird. Kaum eine Woche verstreicht, in der nicht Verbandsfunktionäre, Politiker und Gewerkschafter damit Schlagzeilen machen, daß sie eine neue Variante der japanischen Gefahr entdeckt haben. Selbst in der Bundesrepublik wird immer häufiger nach staatlicher Hilfe oder zumindest nach „freiwilliger“ Selbstbeschränkung der fernöstlichen Exporteure gerufen.

Derweil geben sich in Tokio Manager- und Gewerkschaftsdelegationen die Türklinken in die Hand. Nachdem sie die Entwicklung in Fernost jahrelang ignoriert haben, brechen die Europäer nun gleich scharenweise auf, um das japanische Wirtschaftswunder mit eigenen Augen zu bestaunen – und um Schonung zu erbitten. Ein jämmerliches Schauspiel.

Abwechslung in das trübe Einerlei der Klagen, Warnungen und Schreckensbotschaften brachte jetzt nur die Meldung, das Volkswagenwerk wolle einige seiner Modelle in Japan bauen. Wagt sich der Käfer in die Höhle des Löwen?

VW in die Höhle des Löwen?

Die Nachricht von der Zusammenarbeit zwischen VW und Nissan wurde ebenso aufgebläht, wie zuvor die für uns weniger erfreulichen Neuigkeiten aus Japan. Noch handelt es sich nur um eine Absichtserklärung. Selbst wenn irgendwann tatsächlich VW-Modelle bei Nissan vom Band laufen sollten, bleibt abzuwarten, ob aus Wolfsburg mehr als Blaupausen geliefert werden.