Die Frage, ob die reisefreudigen Deutschen auch in Zukunft ihr Geld in fernen Ländern ausgeben können oder eher die heimatlichen Ferienziele vorziehen sollten, beunruhigte die Touristikbranche erheblich – trotz vereinzelter Bekenntnisse zur freien Devisenwirtschaft.

Das führende Fachblatt der Touristikbranche, die Hamburger Fremdenverkehrswirtschaft, befragte jetzt drei Politiker zu diesen Themen: Finanzminister Hans Matthöfer, Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und den wirtschaftspolitischen Sprecher der Opposition Elmar Pieroth.

Die Wirtschaftspolitiker äußerten zwar ihre Sorge über das steigende Leistungsbilanzdefizit – in diesem Jahr rund 28 Milliarden Mark – waren aber einhellig der Meinung, daß die Auslandsreisen der Deutschen nicht mitschuldig an der finanziellen Misere der Bundesregierung seien. Finanzminister Matthöfer sieht „die Bundesrepublik nicht in einer Situation, in der ihre Bürger solche Maßnahmen zu befürchten hätten“.

Der gleichen Meinung ist Wirtschaftsminister Lambsdorff, der den Deutschen die Freiheit vorbehält „dorthin zu fahren, wo sie hinfahren wollen“. Eine Beschränkung der Reisefreiheit ist nach den Worten des Ministers gegen die eigenen wirtschaftlichen Interessen der Bundesrepublik gerichtet. Denn: „Viele Länder können bei uns nur kaufen und unsere Exportindustrie beschäftigen, weil sie das Geld dafür von den sehen Touristen bekommen.“

Elmer Pieroth, CDU/CSU begrüßt es, wenn viele Deutsche ins Ausland reisen, und zwar nicht nur, weil sie dort ihr Geld ausgeben, sondern auch „weil so Kontakte und Freundschaften zwischen den Völkern vertieft werden“. Er bürdet seinen sonnenhungrigen Landsleuten gar eine gewichtige politische Last auf: „Ohne diese Reisen würde es zu wirtschaftlichen oder gar politischen Krisen in einigen unserer Nachbarländer kommen.“ B. W.