München

Es war wieder mal ein großer Tag in der Geschichte des bayerischen Parlaments und der SPD-Opposition, die stets weiß, was wirklich wichtig ist. Da wurde vehement gestritten über die höchsten Werte der Demokratie und ihre größten Gegner, die schrecklichen Erben der Monarchen. Sie residieren zwar in Schlössern, die mangels eigener Finanzmasse der Staat – der demokratische, versteht sich – erhalten muß, doch naß reinregnen tut’s ihnen allemal: wenn die forschen jungen Leute die Wolken schieben im Landtag am östlichen Münchner Isarufer. Die zeigen’s ihnen schon, den Wittelsbachern, die Bayern einst regierten.

„Weshalb“, fragte die junge SPD-Parlamentarierin Carmen König im Landtag forsch den längst an den Schläfen ergrauten Kultusminister Hans Maier, „weshalb wird ... der Herr Herzog von Bayern als „Königliche Hoheit‘ bezeichnet?“ Ja, weshalb eigentlich? Gibt es da nicht Sprößlinge dieses Geschlechts, die längst alle Tugenden des Adels ablegten und sich so Profanem verschrieben wie Handel mit Immobilien oder Herumrasen mit einem Rennauto zu dem einzigen Zweck, als Sieger eine Geldprämie einzuheimsen? Herzog Albrecht, der feine Herr aus dem Schlößchen am Starnberger See und der standesgemäßen Etage im Nymphenburger Stadtschloß, mag dies zwar heftig mißbilligen, leugnen aber kann „Königliche Hoheit“ es nicht.

Doch dieser Titel ist auch nicht mehr das, was er mal war. Er ist nur mehr „im dienstlichen Schriftverkehr langjährige Übung“, belehrte der Minister die vorwitzige Fragerin vor dem Landtag und befand: „Das ist auch ein Gebot schlichter Höflichkeit gegenüber einem Herrscherhaus, dem Bayern seine staatliche Form und seine kulturelle Prägung entscheidend mitverdänkt.“ Was Carmen König nicht so recht als Verdienst zu würdigen vermag. „Wir haben bekanntermaßen seit längerer Zeit keine Monarchie mehr“, belehrte sie den Minister patzig, weshalb auch „eine solche Anrede für einen Freistaat unangebracht ist“.

Was soll ein so kluger Mann wie der Politologie-Professor und oberste Laien-Katholik der Republik, Hans Maier, auf solch einen republikanischen Einwurf antworten? Es riecht nach Bastille, nach Aufstand gegen ein Heiligtum, ein weißblaues, freistaatliches. „Frau König“, dozierte der Minister also und ließ das sonst übliche Wort „Kollegin“ höhnisch weg, „Frau König, wenn man mit dieser kleinen Elle mißt, dann verstehe ich gar nicht, warum Sie Ihren schrecklich feudalen Namen König noch tragen. Dann müßten Sie einen demokratischeren Namen wie Meier, Müller oder Bauer vorziehen.“