Von Peter Christ

Es war ein Geschäft wie tausend andere: Der Käufer stoppte an einem Samstagnachmittag seinen Wagen vor den Zapfsäulen der Esso-Tankstelle an der Fuhlsbütteler Straße in Hamburg, ging in das Tankstellengebäude, nahm eine Packung Zigaretten der Marke Benson & Hedges und drei Dosen Holsten Pilsner aus dem Regal. Tankstellenpächter Bernd Rohde kassierte 7,80 Mark, der Kunde fuhr weiter – ohne zu tanken.

Einige Wochen später wurde Bernd Rohde an dieses Routinegeschäft erinnert. „Wir haben festgestellt, daß Sie während der allgemeinen Ladenschlußzeiten für Sie branchenfremde Waren des täglichen Bedarfs an letzte Verbraucher verkaufen“, schrieb dem verdutzten Rohde der „Verein für lauteren Wettbewerb“.

Der harmlose Allerweltskunde vom Samstagnachmittag war ein Testkäufer, den Vereinsgeschäftsführer Wolfgang Linnekogel zu Rohde geschickt hatte. Mit dem Verkauf der Zigaretten und des Bieres „haben Sie gegen das Ladenschlußgesetz und zugleich gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb“ verstoßen, hielt der Verein dem Tankstellenpächter vor.

Rohde, so verlangten die Wettbewerbsschützer, sollte sich schriftlich verpflichten, künftig während der allgemeinen Ladenschlußzeiten keine Waren des täglichen Bedarfs mehr zu verkaufen und für jede Zuwiderhandlung eine Vertragsstrafe zu zahlen. Für diese „Abmahnung“ stellte der Verein Aufwendungen von 150 Mark in Rechnung, die der Tankstellenpächter binnen einer Woche nach Abgabe der „Unterwerfungserklärung“ zahlen sollte.

Rohde war erschüttert. Sollte plötzlich verboten sein, was er wie fast alle Tankstellenpächter seit Jahren mit Duldung der Behörden machte?

Rohde war nicht der einzige Benzinverkäufer, der von den privaten Wettbewerbsschützern geschockt wurde. Mehr als zwanzig Hamburger Tankstellenpächter erhielten Abmahnungen. Doch die Bemühungen des Vereins sind nicht auf die Freie und Hansestadt begrenzt. Die unbeliebten Briefe gingen auch an Pächter in Freiburg, Würzburg, Stuttgart und Frankfurt. „Wir werden das in großem Stil durchziehen, bis sich die Tankstellen an die Ladenschlußzeiten halten“, droht Wolfgang Linnekogel.