Pfarrer suspendiert

Hamburg

In der Kirchengemeinde Rellingen nahe Hamburg ist die Welt nicht mehr in Ordnung, seit das Kieler Kirchenamt der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche den dreißigjährigen Pastor Ulrich Hentschel vom Dienst suspendiert hat. Der für diese Gemeinde zuständige Pinneberger Propst Sigo Lehming hatte seinen rangniederen Amtsbruder der „linken Politisierung“ im Gottesdienst und in der Gemeindearbeit bezichtigt; und das Kieler Kirchenamt fragt, ob vom Pfarrer noch „ein gedeihliches Wirken in der Gemeinde“ erwartet werden könne.

Tatsächlich ist die Kirchengemeinde Rellingen besonders zerstritten, seitdem sie von der Suspendierung ihres geistlichen Seelsorgers erfuhr. In einer Diskussion sprach sich die Mehrheit für Ulrich Hentschel aus, aber auch die Contra-Stimmen hatten Gewicht. Die einen halten Ulrich Hentschel für einen modernen Geistlichen, der gerade deshalb „ankommt“ in seiner Gemeinde, weil er „heiße Eisen anfaßt“; die anderen fühlen sich durch ihn politisch „indoktriniert“. Der Kieler Bischof Hübner mochte sich nach dieser Gemeindediskussion noch nicht definitiv äußern. Er müsse dies alles noch einmal überdenken.

Pastor Ulrich Hentschel bleibt für die Zeit eines Versetzungsverfahrens – er selbst hat es abgelehnt, sich versetzen zu lassen – suspendiert, er darf nicht predigen. Im Kommuniqué der Kieler Kirchenleitung ist von Indoktrination nicht die Rede. Hier wird nur gefragt, ob ein Pastor wie Ulrich Hentschel den in der Gemeinde entstandenen Riß „zu heilen“ vermöge.