Axel Springer: „Wenn Herr Wallraff will, kann er mich jederzeit sprechen“-Spaziergänge mit Prominenten

Von Ben Witter

Im Dezember vor dreizehn Jahren war es noch ein Bungalow, der mehr Glas als Steine hatte, aber das Licht flutetenicht so hindurch wie gewöhnlich; der Dunst über dem Wannsee mischte-sich ein. Nun war es November, und es regnete feinfädig auf das, was inzwischen mit ganzer Kraft darauf gesetzt worden war: ein preußisches Herrenhaus. Und der Wachtposten mit Schnurrbart, der den Schlagbaum hob, stand beinahe stramm.

Mit schlenkernden Armen, wie damals, kam mir Axel Springer entgegen und sagte: „Für meine Sicherheit ist gesorgt. Die militante Linke läßt mich nicht aus den Augen, für die militante Rechte; bin ich ein Judenknecht, und die militanten Palästinenser haben mich auf ihrer Abschußliste. Ich habe aber nur Angst um meine Frau.“

Das Kaminfeuer brannte. Die Holzscheite in der gläsernen Ablage waren alle gleich groß. Springer zog seine Hand zurück: „Als in meinem Kinderzimmer der Ofen einmal glühend rot geworden war, hatte ich Angst, meine Mutter käme daran. Ich wollte sie immer beschützen.“ Die Erinnerung wärmte auch, unsere Blicke waren versorgt, und mit einem Tonfall, der selbstverständlich klingen sollte, kam das noch dazu:

„Im Wochenbett hatte meine Mutter die ,Wahlverwandtschaften‘ gelesen, und zu Beginn des ‚Dritten Reiches‘ las sie immer wieder diese Stelle daraus vor: ‚Diesem düsteren Geschlecht ist nicht zu helfen. Man mußte nur meistenteils verstummen, um nicht, wie Kassandra, für wahnsinnig gehalten zu werden, wenn man weissagte, was schon vor der Tür steht.‘ Und sie ergänzte: ‚Hitler, der Mann bedeutet Krieg. Verlaßt euch darauf.‘“

Wollte nie Verleger werden