München

Die Stimme von Richter Gerhard Henner wurde streng: „Ich würde Sie als Geschäftsführer entlassen. Sie haben da einfach 1,3 Millionen in den Wind geknallt.“ Der große, hagere Mann ihm gegenüber war sprachlos: Otto Loderbauer, 56 Jahre alt, Geschäftsführer der gewerkschaftsnahen Baugesellschaft Neue Heimat, mußte als Zeuge vor der 19. Strafkammer des Landgerichts München I harte Schläge hinnehmen. Erst einen Tag später und nun nicht mehr in dem mit besonders feinen Sitten ausgestatteten Gericht, konterte der Mann vom Bau:

„Ich fühle mich in meinem Ansehen in hohem Maße geschädigt“, und er kündigte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Richter Henner an.

Der freilich war längst in allen Zeitungen zitiert worden, denn der – vergleichsweise – ruhige Prozeß gegen den früheren Olympiasieger Armin Hary, 43 Jahre alt, und den Kaufmann Karlheinz Bald, 52, hatte sich urplötzlich zur Schelte der Geschäftsmethoden des größten deutschen Wohnbau-Unternehmens gewandelt. „Die Neue Heimat Bayern ist wohl weniger ein gemeinnütziges Unternehmen, sondern vielmehr eine Sozialeinrichtung zur Verschenkung großer Geldbeträge“, hatte Richter Henner befunden. Und das wohl auch nicht ohne Grund, denn Loderbauers Firma überwies einst ziemlich lässig 1,3 Millionen Mark auf das Konto von Balds Frau. Das Geld soll, so sieht es die Anklage, Provision für einen Grundstücksverkauf gewesen sein, der über eine von Bald vertretene Firma lief.

Denn Bald hatte Einfluß auf einen der größten Grundbesitzer im an Bauland armen München: Er amtierte als „Grundstücksreferent“ der katholischen Kirche, deren Erzbischöfliches Ordinariat Bauland an Loderbauers Neue Heimat verkaufte. Zu ausgesprochen günstigen Preisen, wie Loderbauer versichert, weshalb Bald, der von sich behauptet, er habe „am goldenen Napf“ (der Kirchengrundstücke) gesessen, wohl auch von der Neuen Heimat sehr freundlich behandelt wurde.

Immerhin zahlte das Unternehmen ziemlich ungeprüft alles, was Bald verlangte. Warum auch nachfragen, da es „doch keine Alternative gab, wenn wir die Grundstücke bekommen wollten“, sagt Loderbauer. Und Bald nahm die 1,3 Millionen auch an, was die Kirche heute für Unrecht hält. Sie bemühte den Staatsanwalt, der Bald wegen Veruntreuung anklagte. Richter und Ankläger vermuten in der Zuwendung der Neuen Heimat an den cleveren Vermittler sogar „Schmiergeld“, was Loderbauer nicht so sieht. Er sei, sagte er vor Gericht, davon überzeugt, daß Bald das Geld der Neuen Heimat für Planungsarbeiten kassiert habe.

Zudem fühlt sich Loderbauer durchaus zufrieden mit dem, was er mit den 1,3 Millionen Mark an Bald leistete: „Das Geld wurde nicht verschleudert“, sagt er, „die Grundstücksgeschäfte waren trotz der 1,3 Millionen ein gutes Geschäft für die Neue Heimat. Das läßt sich nachprüfen.“