Völlig unerwartet stellt sich heraus, daß dem Verteidigungsminister in diesem Jahr 530 Millionen, im nächsten sogar 800 Millionen Mark fehlen, um fällige Rechnungen für das Kampfflugzeug „Tornado“ zu begleichen. Aber ist es Apels Schuld, wenn höchste Beamte seines Hauses lange verschwiegen und geduldet haben, daß es bei der Projektüberwachung nicht einmal eine Finanzkontrolle gegeben hat? Für bewußte oder auch nur fahrlässige Täuschung durch seine Mitarbeiter trifft Hans Apel gewiß keine Schuld.

Ihn dennoch freizusprechen, fällt schwer. Das kostspielige Projekt – rund 23 Milliarden Mark – ist seit langem Gegenstand negativer Schlagzeilen. Von Mismanagement ist ebenso oft die Rede gewesen. So gab es Anlässe genug, sich schon früher alles schonungslos auf den Tisch legen zu lassen. Und eben dieses Versäumnis trifft Apel ohne Wenn und Aber.

Tragisch nur ist, daß hier ein Minister auf der Strecke bleiben könnte, der als kritischer Zivilist an sein Ressort herangegangen ist, während jene, auf die er sich glaubte verlassen zu können, am Ende noch nach ihrer Pensionierung mit lukrativen Beraterverträgen bei der einschlägigen Industrie rechnen dürfen. Es wäre nicht das erste Mal. hff