Die Anstrengungen, die Aktien- und Rentenkurse bis zum Jahresschluß auf dem jetzigen Niveau zu halten, werden immer mühseliger. Das liegt in der Hauptsache an den steigenden Zinsen in den USA, denen wir folgen müssen, solange die Bundesrepublik ein Leistungsbilanzdefizit Zu beklagen hat, das durch Kapitalimporte ausgeglichen werden muß. Die amerikanische Währungsbehörde ist fest entschlossen, den zweistelligen Inflationsraten zu Leibe zu rücken und will nicht noch einmal, das Risiko eingehen, zu früh die Zügel gelockert zu haben.

Angesichts dieser Situation kann es nicht überraschen, wenn am Rentenmarkt die Kurse fallen und die Renditen steigen. Wie rasch das geht, war an der neuen 8 3/4prozentigen Postanleihe abzulesen, die nicht einmal zu ihrem Emissionskurs an der Börse eingeführt werden konnte. Ihre Konditionen waren waren zum Schluß ihrer Zeich-

nungsfrist nicht mehr marktgerecht. Namentlich

die Großanleger wollen heute Renditen sehen, die über neun. Prozent liegen. Einzelne Realkreditinstitute boten am Wochenanfang neunprozentige Titel mit Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren bereits zu 99,50 Prozent an.

Dennoch stoßen die Ratschläge der Kreditinstitute, ihre Kundschaft möge sich doch jetzt den „hohen“ Zins langfristig sichern, auf wenig große Gegenliebe. Man erinnert daran, daß dieser Ruf bereits ertönt war, als die Renditen erst bei acht Prozent lagen. Das Nichtbefolgen, der damaligen Empfehlungen hat sich bezahlt gemacht.

Aber nicht nur bei, den festverzinslichen Papieren sieht es zum Jahresschluß traurig aus. Am Aktienmarkt läuft ebenfalls nichts mehr, sieht man von den gelegentlichen Käufen einiger reicher Ölüberschußländer ab, die ihre Bestände an deutschen Aktien vervollständigen. In den vergangenen Tagen hatten sie sich der stark gedrückten Papiere der Commerzbank und der Dresdner Bank angenommen. Ohne diese Käufe wären ihre Kurse heute vermutlich niedriger.

Was im Augenblick so sehr auf die Stimmung drückt, sind nicht nur die Spannungen um Polen und die immer düster werdenden Konjunkturprognosen, sondern vor allem die sich mehrenden. Nachrichten über beabsichtigte Dividendensenkungen. Im Grunde ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Aktionäre rechtzeitig erfahren; was ihnen bevorsteht. Auf einem anderen Blatt steht, ob sie in jedem Fall eine Rücknahme der Jahresausschüttung für notwendig erachten, besonders dann, wenn sie auch mit der Notwendigkeit einer verstärkten Rücklagenbildung begründet wird, wie dies im Falle des Volkswagenwerkes geschieht. Nicht ausgeschüttete Gewinne werden der Verfügungsgewalt des Aktionärs, entzogen, werden zu „mitbestimmtem“ Kapital, das aus der Sicht des Eigentümers für ihn von minderer Qualität ist. Rückblickend gesehen war es richtig, in der Bewertung der VW-Aktie vorsichtig zu sein und sich nicht von den Milliarden blenden zu lassen, die sich in der VW-Kasse befinden und die VW-Finanzchef Thomée überall mit Begeisterung herumzeigte. Liquidität darf eben nicht mit Rentabilität verwechselt werden. Der VW-Kurs ist auf den niedrigsten Stand dieses Jahres gesunken. Daimler-Aktien werden dagegen um 40 Mark über ihrem bisherigen Jahrestief gehandelt. Das verdanken sie zum Teil der stabilen Ertragslage des Unternehmens, aber auch ständigen Käufen aus dem Ausland.