Haben Sie auch schon mal jemanden nach Uhrzeit gefragt der dann antwortete: „10 Uhr 17“ oder „19 Uhr 54“? Bestimmt haben Sie dann sofort versucht, diese exakten Zahlen zu übersetzen: 19 Uhr 54, Moment mal, ah ja, also gleich acht!

Und gleich reicht Ihnen dann auch: Sie nehmen Ihr Gedann und setzen sich für die Nachrichten vor den Fernsehapparat, oder gleich wird der Besuch, der sich zu „um acht“ angekündigt hat, eintreffen, oder Sie kommen noch rechtzeitig zum Bahnhof, um den Zug um „Viertel nach“ zu bekommen.

Vielleicht haben Sie ja auch selbst so eine Atomzeitalteruhr, quarzgesteurt, Digitalanzeige, die je nach Aufwand neben der exakten Uhrzeit zum Beispiel auch stoppt, wie lange Ihre Kaffeemaschine zum Filtern des Kaffees benötigt! Ich jedenfalls habe jetzt auch eine, nach langem Sträuben und nur, weil sie so billig war: Sonderangebot 25 Mark, mit Edelstahlarmband. Quarzgesteuert zeigt sie mir Stunden und Minuten, auf Knopfdruck einmal: Datum, zweimal: Sekunden an. Und wenn es all zu finster wird, kann ich sie sogar per Knopfdruck beleuchten.

Eigentlich wollte ich eine ganz normale Uhr kaufen, nicht so teuer, nur um ab und zu mal draufzusehen und zu wissen: es ist bald soweit, oder: na ja, dann eben morgen. die anderen, die ja alle eine Uhr haben, nicht zu lange warten zu lassen. Auf funf Minuten sollte es mir dabei aber nicht ankommen, so genau brauchte es meine Uhr mit der Zeit nicht zu nehmen.

Aber irgendwie hat dieses Sonderangebot jetzt alles verändert. Wie sagte ich doch eben? „19 Uhr 54“, das heißt, noch sechs Minuten bis zu den Nachrichten, da laufe ich doch noch mal schnell zur Ecke und hole Zigaretten. Hetze also die Treppe hinunter, 19 Uhr 55, noch 200 Meter bis zum Automaten, 19 Uhr 56, zurück zum Hauseingang, 19 Uhr 57, die Treppe hinauf, 19 Uhr 58, noch zwei Minuten, da kann ich doch noch schnell... Uhr 59, verdammt, bleibt mir nichts, als eine Minute herumzusit-

Natürlich hat es Vorteile, die genaue Zeit zu kennen, schließlich wartet die Bahn nicht auf mich, nur weil ich es nicht so genaunehme mit der Zeit, aber irgendwie komme ich mir etwas unterworfen vor, so verdammt beherrscht durch diese konsequent wechselnden Zahlen in Computerschrift. „Gleich drei“ oder „gerade neun vorbei“ gibt es nicht mehr, die Zeit läßt sich nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen. Es ist „10 Uhr 23“, basta, nicht „20 nach“ oder „gleich halb“!

Bernhard Lafferthon