Die britische Regierung muß auf Unruhen in der nordirischen Provinz gefaßt sein. Der Hungerstreik von sieben IRA-Häftlingen radikalisiert Katholiken und Protestanten. Margaret Thatcher sucht nach einer politischen Lösung des Konflikts.

Seit sieben Wochen sind sieben Mitglieder der Irisch Republikanischen Armee im Belfaster Maze-Gefängnis im Hungerstreik; sie wollen die britische Regierung dazu zwingen, sie als politische Gefangene anzuerkennen. Um Weihnachten könnte der Hungerstreik zum ersten Märtyrertod führen, denn der Strafvollzug kennt keine Zwangsernährung. Die Folgen wären blutige Zusammenstöße mit der britischen Armee, eine neue Sympathiewelle für die IRA und noch geringere Aussichten auf eine Normalisierung in Nordirland. Nachdem der Versuch einer politischen Lösung gescheitert ist und das Kabinett Thatcher nicht weiterkommt, wo die Vorgänger Wilson, Heath und Callaghan auf Granit gebissen haben, bietet sich die Lage an für neue Gewaltkampagnen.

Daß die Stimmung einem neuen Siedepunkt entgegenstrebt, zeigt auch der Versuch einiger Häftlinge aus dem protestantischen Lager, es der katholischen IRA gleichzutun. Sechs abgeurteilte Angehörige der Ulster Defence Association wollen ab Freitag dieser Woche für die gleichen Rechte in den Hungerstreik treten – sehr zur Verwirrung ihrer Kommandanten, denen damit der Vorwand genommen wird, die Aktion der IRA zu diskreditieren. Der beste Verbündete des nordirischen Terrors war noch stets der jeweilige politische Gegner. Vor diesem Hintergrund trafen sich die Regierungen der Irischen Republik und Großbritanniens. Frau Thatcher flog nach Dublin mit dem stärksten Ministerteam, das je die Nachbarinsel besucht hat. Die von ökonomischen Katastrophenmeldungen geplagte Premierministerin könnte einen außenpolitischen Erfolg dringend gebrauchen.

Irland war schließlich die erste, Nordirland ist nichts als die letzte englische Kolonie. Finden die Konservativen, die den Mehrheits-Protestanten in Ulster nahestehen (mit einem halben Jahrhundert Fraktionsgemeinschaft) nun endlich eine politische Lösung?

Die Widerstände sind beträchtlich. Mehr Zusammenarbeit Dublin–London ist möglich, bis hinein in den wichtigen Bereich der Sicherheit entlang der für Dublin fiktiven inneririschen Grenze. Aber von den Föderalismusträumen des südirischen Premierministers Aber ghey will Frau Thatcher nichts wissen. Li zahlreichen bilateralen Kommissionen ist begraben worden, was er optimistisch einen „historischen Durchbruch“ nannte. Im Dreieckskraftfeld London-Belfast–Dublin betätigen die Südiren weiterhin das Gaspedal, die Nordiren die Kupplung und die Briten die Bremse. Und so wird es bleiben.

Karl-Heinz Wocker (London)