ARD, Sonntag, 7. Dezember: „Glashaus tv – intern“

Eis geht also auch so. Statt dem lieben Zuschauer den möglichen Bild-Verzehr im Speisekarten-Stil mit einem heiteren „und das, mein Vögelchen, ist dein Fraß in den nächsten acht Tagen“ anzupreisen, suchte sich das Glashaus-Team einige wenige Sendungen aus, dazu noch solche, die in den Radiozeitungen nur zum kleineren Teil obenan stehen... Und siehe da, man pries nicht an und betrieb keine Werbung in eigener Sache, sondern zeigte, zumindest in bescheidenem Maße, Hintergründe auf, das Warum hinter dem Was, analysierte die Machart von Filmen, wie sie entstanden seien und was sich der Regisseur dabei gedacht habe; man illustrierte das Problem heimkehrender, aber nicht heimkehrwilliger Gastarbeiterkinder am Beispiel einer jungen Laienschauspielerin, die selber ein solches Kind war... und man tat sogar noch mehr! Man gab – tatsächlich! – einem Schriftsteller, es war Gerd Fuchs, das Wort, der sich über den autoritären, staatsloyalen, moralisch unantastbaren, von keiner Korruption berührten Kriminalkommissar-Typ des bundesrepublikanischen Fernsehens erging. (Ganz stimmt das übrigens nicht, wenn man an Richard Heys Ledermacherin denkt, und was den korrupten Bullen angeht, so wäre da über die Alibi-Funktion, die der schmutzige Polizist für die amerikanischen Geldgeber hat, gar manches zu sagen: Dampf ablassen als Garant, daß alles so bleibt, wie es ist.)

Immerhin, so wie am Sonntagabend wurde über die großen, das Moralgesetz der Nation prägenden Meister vom Mordkommissariat noch nicht gesprochen. (Übrigens, Knut Hinz, fällt mir da ein, paßt auch nicht ins allzu locker gespannte fuchsische Schema) – und es sollte noch toller kommen! Kritik aus den eigenen Reihen! Kritik, und zwar gepfefferte, die einseitigen Darstellungen der Wirtschaftsmagazine (immer hoch von oben herab, nie aus der Perspektive des Fließbands) und die Frauen-Darstellungen betreffend: Sex-Mieze oder Hausmütterchen.

Würden die im Glashaus Sitzenden aus den Fehlern lernen, die ihnen das erste Mal unterliefen (ein Bericht über „Monitor-Leute bei der Arbeit: ohne Erkenntnisgewinn, dazu mißverständlich – fast schien es, Casdorffs Männer arbeiteten wie Reporter der Bild-Zeitung), würden sie exemplarisch und nicht nach Magazin-Manier vorgehen, von jedem etwas, ließen die Oberen-Demokraten, die sie ja sind – das Kölner Team auch über Abnahme-Praktiken, Auswahl-Prinzipien, Debatten in Sachen Ausgewogenheit, ja, Intendantenwahlen und deren Hintergründe berichten, alles im Zeichen einer ach so oft beschworenen Transparenz des Dargebotenen, könnten sie also darangehen, die Kölner, hinter dem zu beglotzenden Zehntel des Eisbergs die nicht sichtbaren neun Zehntel ins Blickfeld zu rücken, verborgen in der tief-tiefen See: dann, ja dann wäre eine Schlacht gewonnen, weil die Konsumenten zumindest eine dreiviertel Stunde lang darüber nachdenken könnten, warum eigentlich sie so oft für dumm verkauft würden.

Glashaus tv-intern, Sonntag, 7. Dezember 1980: die sieben Worte wollen wir uns merken. Warum? Weil – in einem allerersten Ansatz! – gezeigt wurde, wie vernünftig das ist, wenn sich eine öffentlich-rechtliche Anstalt einmal entschließt, Null ouvert zu spielen... das ist, mit all den Siebenen und Achten im Programm und den vielen Zweifarben-Spielen, schwarz gut besetzt und rot lieber gedrückt, doch wirklich kein besonderes Risiko! Oder doch? Momos