Tom Dery gelang, wovon Werbeleute nur träumen können: Mit einer Anzeige brachte er einen ganzen Kontinent in Walfang.

Der neuernannte Marketingchef für die australische Inlandsfluglinie „Ansett“ (Mitbesitzer ist der Pressemogul Rupert Murdoch) schaltete an einem Tag in ein paar Zeitungen des Landes ein Werbephoto, das ein nacktes Mädchen in einem Flugzeug zeigt – züchtig verhüllt von einem Galleyvorhang.

Angeblich hatte die Linie festgestellt, daß ihre Passagiere sie nur dank der Stewardessen-Uniform von der staatseigenen Konkurrenzlinie TAA unterscheiden konnten. So hieß es denn auch unter dem Bild: „Würde die Hosteß ohne Uniform auftreten, wüßten sie, mit welcher Gesellschaft sie fliegen würden?“

Und das war denn auch die einzige Frage, die in den letzten Tagen unbeantwortet blieb. Ganz andere Fragen wurden da aufgeworfen und hastig beantwortet: Ob die Luftlinie „sexistisch“ sei (na, und wie), ob die Ehre der Frau und die der Lufthostessen ramponiert sei (gewiß doch) und ob man dieser Linie noch Passagegelder andienen könne (natürlich nicht).

Doch die verzagte Blondine im lockeren Tuch mobilisierte in dieser nachrichtenarmen Vorweihnachtszeit zur Freude der australischen wie der asiatischen Presse auch Volkesstimme: „Vorhang auf“ hieß es hemmungslos – mitten im ziemlich prüden Australien. Und die Frauen forderten – zur Freude der Zeitungscartoonisten – „knackige Piloten“ unten ohne.

„Ansetts“ Manager sehen den Wirbel mit Wonne, aber anmerken lassen sie sich ihre Freude nicht. Im Heimatland von Germaine Greer gilt keiner gern als Sexist, zumindest nicht öffentlich. Und die Konkurrenzlinie TAA? Sie schweigt. Schließlich stand Tom Dery bis vor kurzem bei ihr im Brot, Und in Australien erinnert sich noch jeder an seine Werbekampagne für die TAA-Ferieninsel Great Keppel. Vor vier Jahren zeigte Dery einen abgeschafften Jüngling am Strand des Eilands, umringt von drei Bikini-Schönen und dem Text: „Nach einer Woche Great Keppel brauchst du wirklich Ferien“.

Vielleicht braucht der Werbemann mal Ferien. K. V.