Polen hatte in seiner Geschichte meistens nur die Wahl, sich entweder gen Westen oder gen Osten hin zu orientieren. Eingeklemmt zwischen den Großmächten Rußland und Deutschland, ist es von seinen Nachbarn immer wieder zum Untergang verurteilt worden. Doch selbst als Polen von der Landkarte verschwand, lebte es weiter als „mystisches Polen“ an den „Altären der Muttergottes“.

In der Zeit vor seinem Untergang, im 17. und 18. Jahrhundert, ist Polen prowestlich und abendländisch gestimmt – gegen Osten.

1605 besetzten polnische Truppen Moskau. Der Traum von einem polnisch-russischen Großreich scheint sich zu realisieren. Doch

1612 vertreiben die Russen die Besatzer des Kreml und gewinnen

1667 wieder Smolensk, die östliche Ukraine sowie Kiew zurück.

1683 schlägt Johann III. Sobieski (1674–96) die Türken vor Wien; der polnische König wird als Retter des Abendlandes gefeiert. Doch der glanzvolle Sieg verdeckt nur kurzfristig die schwindende Macht Polens. Die Einrichtung des Wahlkönigtums (von den 14 Herrschern, die Polen zwischen 1572 und

1795 regieren, sind nur vier polnischer Herkunft) macht das Königreich zum Spielball der Interessen der Nachbarstaaten. So kehrt