In den großen europäischen Autonationen, in Frankreich und Italien, wird die geplante Kooperation zwischen VW und Nissan mit Besorgnis gesehen.

Besonders harsch klingt die Kritik aus Frankreich: „Verrat“ war der erste Kommentar aus der Autoindustrie. Da waren Europas Autobauer vor einigen Wochen nach Japan gefahren, gemeinsam gegen die Japaner aufgetreten und gleichzeitig hatte VW-Chef Toni Schmücker sich heimlich ins feindliche Lager geschlichen.

Frankreichs Kommentatoren wählten die Termini des Zweiten Weltkrieges und sprachen vom „Blitzkrieg“. Er sei dem Bau einer „Maginotlinie“ – dem von Frankreich angestrebten Protektionismus – vorgezogen worden. Eine neue „Achse Bonn/Tokio“ wurde beschworen.

Doch es gab auch Stimmen, die erklärten: „Volkswagen hat uns hereingelegt – aber meisterhaft.“ Sogar ein Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie hielt nicht mit seiner Bewunderung für den Coup Schmückers zurück.

Im übrigen, so heißt es jetzt, sei die europäische Einheitsfront der Autobauer ohnehin brüchig, da beland Alfa Romeo und British Leyland „fremdgegangen“ seien. sich Wellen in Frankreich scheinen sich langsam wieder zu glätten, zumal Honda zu erkennen gegeben hat, daß es möglicherweise mit einem französischen Autokonzern eine Vereinbarung ähnlich dem Vorbild VW/Nissan schließen wird,

In Italien verweist der Fiat-Konzern darauf, daß die Kooperation zwischen VW und Nissan über den reinen Inhalt der Abmachung hinausgehe. Auf der einen Seite seien die Arbeitskosten in der Bundesrepublik zu hoch, auf der anderen Seite werde im Westen die Fließbandarbeit mehr und mehr abgelehnt, neue Produktionen seien gefragt. Die Japaner umgekehrt hätten mit ihren Exporten die Konkurrenz aufgeschreckt und suchten nun durch Kooperation die Gemüter zu beruhigen.

Die Zusammenarbeit von VW und Nissan erschließt aus italienischer Sicht aber auch neue Märkte für die Autos „made in Japan“. Die unterschiedliche Lage der Autofirmen in Deutschland und Italien zeigt sich, so meinen die Kommentatoren, auch bei diesem Deal: Während VW deutsche Technologie nach Japan bringe, exportiere Japan mit dem Kontrakt Nissan/Alfa Romeo umgekehrt japanische Technologie nach Italien. Die Mailänder Zeitung Corriere della Sera bedient sich ebenfalls eines Begriffes aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie spricht von der „Autoachse Bonn/Tokio/Rom – anders als in Frankreich ist das allerdings humorvoll gemeint. smi/fg