Die Meldung stand diese Woche in Springers Welt: Im Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz sei man empört über eine Anweisung von Bundesinnenminister Gerhart Baum, den 1977 im Zusammenhang mit der Lauschaffäre Traube entlassenen Amtsrat Karl Dirnhofer unverzüglich wieder in seinem alten Tätigkeitsbereich zu beschäftigen. Es sei „eine Protestaktion von Verfassungsschützern geplant, die durch Baums Entscheidung die für den Geheimdienst notwendige Vertrauensbasis gefährdet sehen“.

Eine interessante Nachricht. Karl Dirnhofer war seinerzeit verdächtigt worden, er sei der eigentliche Lieferant des vom Spiegel veröffentlichten Materials über die „Aktion Müll“ gewesen. Dafür saß er vier Monate in Untersuchungshaft, dafür mußte er jahrelang mit einem um die Hälfte gekürzten Gehalt auskommen. Im April 1980 sprach ihn der Bundesgerichtshof in letzter Instanz von dem Verdacht frei.

Zur Wiedergutmachung an dem rehabilitierten Beamten ist der Bundesinnenminister verpflichtet, dem das Bundesamt für Verfassungsschutz untersteht. Und Wiedergutmachung umfaßt – neben sonstigem Schadensersatz – selbstverständlich die Rückgabe des dem Beamten rechtswidrig entzogenen Tätigkeitsbereichs. Doch seine alte Arbeit hat Dirnhofer, nachdem er freigesprochen war, gar nicht wiederhaben wollen, weil es ihn gestört hätte, im Amt mit eben den Leuten zusammenarbeiten zu müssen, die ihn damals denunziert hatten. Er ist schon seit einiger Zeit beim Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge in Nürnberg beschäftigt.

Der angekündigte Protest der Kölner Verfassungsschützer richtet sich deshalb auch nicht gegen die zu keiner Zeit erwogene oder gar angeordnete Rückkehr des Kollegen Dirnhofer in sein früheres Amt. Er richtet sich allein gegen ein anderes Stück schierer Wiedergutmachung: Der Amtsrat hatte durch Haft und Prozeß seine längst fällige Routinebeförderung zum Oberamtsrat verpaßt. Sie soll jetzt aus dem Kölner „Stellenkegel“ herausgeschnitten und an den Emigrationsort Nürnberg abgegeben werden. Da geht es freilich nicht nur an die Vertrauensbasis, da geht es an die Substanz. H. Sch.