Millionengeschäfte te nur auf dem Papier

Von Wolfgang Gehrmann

Der Beweis wog schwer – einhundertachtzig Kilogramm. Das brachten die sechs Koffer im Flughafen von Madrid auf die Waage, die der Steuerberater Werner R. Schweigert dort am 28. November für den Lufthansa-Flug LH 161 über Frankfurt nach Köln eincheckte.

Der Inhalt war nichts als Papier: akkurat gestapelte leere Briefbogen etlicher Firmen, Blanko-Kontoauszüge der Schweizerischen Bankgesellschaft und der Banque de Liban et d’Oütre Mer (BLOM) in Beirut sowie sechs Schmierzettel, auf denen jemand mit sichtlich zunehmendem Erfolg das Fälschen fremder Unterschriften geübt hatte.

Die Koffer hatte Schweigert in einer einsamen Finca in den Bergen nahe Madrid aufgetrieben. Ihr Inhalt soll beweisen, daß fünftausend gutgläubige Kapitalanleger um einen dreistelligen Millionenbetrag geprellt worden sind.

Nach dem Eigner der gewichtigen Koffer, dem in Beirut residierenden Wirtschaftsprüfer Günter Reinartz, sucht der Staatsanwalt – noch ohne Erfolg. Gefaßt haben die Fahnder dagegen zwei Herren, die bislang als Könige der Abschreibungsbranche galten, und deren mögliche Beteiligung an dem Millionenschwindel noch erst geklärt sein will:

Am 3. Dezember nahm die Kripo in Köln Jochem Erlemann fest, als der gerade die Kanzlei seines Anwalts verließ. Tags darauf unterschrieb der Amtsrichter zehn Minuten vor Mitternacht den Haftbefehl. Erlemann zog aus seiner Zweieinhalb-Millionen-Villa im feinen Kölner Vorort Hahnwald ins Untersuchungsgefängnis „Klingelpütz“ um.