Von Marion Rollin

Zwei Jahre liegt die „Hamburg – Bau“ zurück, die Einfamilienhausausstellung im Hamburger Norden mit ihrer damals neuen Variante: dem Stadthaus. Aus der Bauausstellung ist ein Wohnviertel, und aus den damals schnell entschlossenen Käufern sind lauter zufriedene Siedlungsbewohner geworden, wie eine in diesen Tagen von der Stadt veröffentlichte Untersuchung bezeugt: zufrieden mit dem Haus, zufrieden mit der Grundstücksgröße, zufrieden mit der nachbarlichen Nähe und zufrieden mit der Siedlung insgesamt. In der städtischen Planungsbehörde reiben sie sich die Hände. Hamburgs Bürger brauchen nun nicht mehr hinter die Landesgrenze zu ziehen, um dort schöner und billiger zu wohnen (und eben auch viele Millionen Steuergelder zu lassen), es gibt jetzt endlich diesseits der Stadt die besseren Angebote.

Der Trend ist bundesweit. Das Stadthaus soll die Flüchtigen locken und die Steuern wieder in die Metropolen holen. Bund und Länder subventionieren die neue Wohnidee mit Milliarden.

Dabei ist das Ganze nicht mehr als ein Etikettenschwindel. Zu den Hamburger „Stadt“-Häusern fährt man von der Innenstadt eine halbe Stunde mit der S-Bahn, dann Umsteigen in den Bus, bis man schließlich weit draußen am Rande der Stadt anlangt. Die Planer stört das nicht: Es komme nur darauf an, was man unter „Stadt“ versteht. Der erste Teil des Etikettenschwindels also: Man definiere einfach neu, was unter „Stadt“, bitte schön, zu verstehen sei.

Vor zwei Jahren hat das Ehepaar Krapp sich spontan für ein Stadthaus entschieden, blitzschnell zugegriffen, bevor sie alle ausverkauft waren. Gepflegt sieht es hier draußen aus. Die Gärten sind klein und unbemerkt, sie sind kaum größer als das Wohnzimmer. Überhaupt ist alles eng und dicht und einsichtig. „Sie hören viel Musik drüben“, sagt Frau Krapp über ihre Nachbarn, „das hört man schon mal bei uns. Aber daran haben wir uns gewöhnt. Außerdem ist ihr Vierzehnjähriger schlecht dran hier in der Siedlung. Es gibt keine Kinder in seinem Alter, und sonst ist ja auch nicht viel los. Er hängt etwas rum.“

Auch Ehepaar Krapp ist abends meistens zu Hause. Bis vor zwei Jahren hat ihr Mann noch gekegelt, sie war im Turnverein, und abends gingen sie oft ins Kino. „Damals haben wir noch in Wandsbek gewohnt“, sagt Frau Krapp. „Da hatten wir noch alles vor der Tür. Der Weg von hier in die Stadt ist zu weit. Das ist vielleicht ein kleiner Nachteil. Auch, daß man hier in der Siedlung nichts einkaufen kann.“

Auf vier Etagen zähle ich drei Zimmer. „Das gefiel uns gerade so gut am Haus, als wir es damals kaufen. Es war so ganz anders als die üblichen Reihenhäuser. Aber die vielen Treppen machen natürlich Arbeit.“ In einem halben Jahr bekommen sie ein zweites Kind. Dann werden sie das Schlafzimmer teilen in zweimal zehn Quadratmeter. Auszubauen ist nichts mehr. 235 000 Mark haben sie damals für das Haus bezahlt, es war eines der billigsten. Jetzt müssen sie rechnen. Herr Krapp ist Angestellter einer kleinen Versicherungsfirma, und sie hat ihre Halbtagsstelle in einem Anwaltsbüro der Innenstadt aufgegeben, seit sie hier draußen wohnen. „Für vier Stunden lohnte sich die ganze Fahrerei nicht mehr“, sagt sie.