Von Hans Daiber

Für eine notorische Selbstdarstellerin war sie ganz hübsch diskret. Wie viele Schleier sie auch von sich tat, einer blieb immer übrig – wenigstens einer.

Zum Beispiel ihre Ehe. Hug Guiler hat in ihrem „Tagebuch“ weder seinen Namen noch irgendwelche Daten zurückgelassen. Was von ihm: übrigblieb (Graphiken, die nun einmal ihre Bücher zieren), das schrieb sie einem Jan Hugo zu. Sie lobte Hugos Talent (und bei dieser Gelegenheit wieder einmal ihre eigene inspirative Bedeutung), nach einigen Reisen durch Mexiko habe er informelle Filme gemacht. Aber daß sie einmal außer Büchern auch Tisch und Bett mit ihm teilte, ist nicht zu erraten.

Na gut, es geht vielleicht keinen etwas an. Obwohl sie ihre öffentliche Privatheit als Mar-• kenzeichen und Gütesiegel benutzte.

Aber auch denen macht sie’s schwer, die ihr nur literarisch auf die Seitensprünge kommen wollen. Da gibt es für wechselnde Inhalte benutzte gleiche Titel („Winter of Artifice“, „Under a Glass Bell“, „Cities of the Interior“, „This Hunger“, „Ladders to Fire“), da gibt es wechselnde Titel für gleiche Inhalte: „The Paper Womb“ ist dasselbe wie „The Labyrinth“, „The Phoenix“ dasselbe wie „Lilith“, „The Story of Pierre“ heißt auch „je suis le plus malade des Surréalistes“. Benjamin Franklin – Nin-Bibliograph, nicht der Erfinder des Blitzableiters – fand sich kaum noch durch. Und dazu noch Datierungsschwierigkeiten wegen falscher oder fehlender Erscheinnungsdaten und Copyright-Angaben. Die zuerst, in obskuren Zeitschriften, mit kleinsten oder gar kleinen Verlagen in geringen Auflagen erschienenen Texte sind kaum noch zu Vergleich und Analyse zusammenzukriegen.