„Das deutsche Wohnzimmer“ von Herlinde Koelbl (Photos) und Manfred Sack (Text), mit einem Aufsatz von Alexander Mitscherlich. Zeig her deine Wohnung, und ich sage dir, wer du bist? Ganz so simpel ist es schon lange nicht mehr: Die Konvention darüber, wie „man“ wohne, ist seit wenigstens anderthalb Jahrhunderten entzwei, der Pluralismus der Ansichten, Einsichten, des Denkens vor allem verhindert das Übereinkommen, als dessen Folge so etwas wie ein Stil (oder: eine Lebensart) sichtbar werden könnte. Wenn es nun also schon keine allgemein verbindliche Art zu wohnen – zu leben – bei uns gibt, muß die Konvention, der Brauch durch Wissen ersetzt werden und durch Fingerspitzengefühl, Voraussetzungen für einen guten Geschmack. Eben dies ist eines der ewigen, immer neu beredeten und überdachten Probleme unseres Daseins – und also Anlaß für Überlegungen, die in diesem Buch angestellt werden, und vor allem für die 110 Photos, die Herlinde Koelbl in deutschen Stuben aufgenommen hat, alle in derselben unangestrengten Art, durch die die Identität von Wohnungen und Bewohnern deutlich werden soll, visuell und in wörtlichen Bezeugungen. Man blickt in lauter Spiegel, klare und beschlagene, mit Reflexen ablenkende, zerkratzte und affallend gerahmte. (Verlag C. J. Bucher, Frankfurt/M., 1980; 144 S., 110 Abb., 29,80 DM.)

„Märchen der Bantu“, übersetzt und herausgegeben von Almut Seiler-Dietrich. Aschenputtel fährt heimlich mit dem Fahrrad zum Tanz, wo Mobutu, der Staatspräsident von Zaïre, sich in sie verliebt. Der Frosch, der einen Brief zur Sonne bringen soll, muß sich unterwegs vor dem Auto in acht nehmen. Die Verknüpfung von märchenhafter Zeitlosigkeit und aktuellen Verhältnissen in den mittelafrikanischen Staaten von Kamerun bis Mosambik charakterisiert die Sammlung, die in der Diederichs-Reihe „Märchen der Welt“ erscheint „Bantu“ heißt in der Sprache von 35 Millionen Schwarzafrikanern „die Menschen“. Man bezeichnet mit diesem Begriff die wichtigste afrikanische Sprachfamilie. Die Bantu besitzen eine reiche, mündlich überlieferte Literatur. Die hier aus älteren Sammlungen und modernen Aufnahmen zusammengetragenen Mythen, Fabeln, Legenden und Zaubermärchen illustrieren auch die moralischen und sozialen Regeln einer Gesellschaft, die sich heute auf ihre traditionellen Werte besinnt. (Diederichs Verlag, Düsseldorf, 1980; 288 S., 26,– DM.)

Rimbaud deutsch: Der Verlag Lambert Schneider, Heidelberg, teilt uns mit, daß die Ausgabe von Rimbauds „Sämtlichen Dichtungen“ in der Übersetzung von Walther Küchler, deren Verschwinden Hubert Fichte in seinem Essay über Rimbaud (ZEIT Nr. 46) beklagt hat, nach wie vor lieferbar sei. Die 1946 zuerst erschienene Ausgabe liegt inzwischen in 5. Auflage (1978) vor (356 Seiten, 22,– DM).