... scheuen Menschen sich, den eigenen Tod in ihr Leben mit einzudenken? Was hält so viele – auch reiche – Leute davon ab, ihr Testament aufzusetzen?

Fast jeder Normalbürger „kauft“ sich seinen Lebensraum – ob nun die Eigentumswohnung, den Garagenstellplatz oder die Villa im Grunewald, aber die meisten schrecken davor zurück, ihren Grabplatz zu bestellen, „ihr Haus zu bestellen“, rechtzeitig. Schriftsteller umschleichen den Plan zur Autobiographie wie ein Tablett mit vergifteten Speisen: das eigene Leben in Worte zu bannen scheint wie die Drohgebärde des endgültigen Abschieds – unwiderruflich. Dabei wissen wir alle, daß es morgen sein kann, eines Tages sein wird und daß von uns allen abfallen wird die tägliche Kulisse wie verstaubte Theaterpappe.

Was übrigbleibt, wird gewiß kein „Besitz“ sein, und wer da meint, ein „Werk“ verbliebe, dem wird schon bei Lebzeiten, noch bei Tische, das Lachen der Hyänen angeboten; am ehesten von vermeintlichen Freunden. Könnte es nicht auch wohltuend sein, das Leben vom Ende, von seiner End-Gültigkeit her zu denken, zu planen, zu leben? Wäre es nicht das, was den Menschen zum Menschen macht; da doch nur er imstande ist, Glück und Verrat, Hochmut (im Sinne von „hohem Mut“) wie Niedrigkeit und bittere Enttäuschungen seines Lebens zu reflektieren? F. J. R.