Von Ulrich Schiller

Washington, im Dezember

Champagner aus dem diskret getarnten Kühlschrank in der Präsidentenloge des Kennedy-Centers zu. schlürfen oder an der Tafel des Weißen Hauses zu speisen, seien gewiß reizvolle Perspektiven, doch sollte jeder nach einem Regierungsamt Schielende auch die Konsequenzen des „ethics of government act“ bedenken, riet William McDonald aus Jimmy Carters Energiebehörde den Aspiranten für die Reagan-Administration. Das Gesetz über ethische Normen für Regierungsmitglieder will von Amtsbewerbern nämlich so gut wie alles wissen – von Erbschaften über Vermögensanlagen bis hin – zu ehemaligen oder angestrebten Beschäftigungsverhältnissen, die zu einem Interessenkonflikt führen könnten.

Vorbei sind die Zeiten, so warnte auch Edwin Meese, Reagans Superkoordinator für die Übergangsteams, als der neue Präsident einen Mann seiner Wahl nur anzurufen brauchte, dieser sich mit seiner Frau beriet und schon war der Handel perfekt, der Kabinettsposten besetzt. Heute sollte jeder, der zum Dienst für den Präsidenten und das öffentliche Wohl gebeten wird, nicht nur sich selber, sondern rechtzeitig auch Anwälte und Steuerberater befragen, ob er die Auflagen des Gesetzes erfüllen und die Nachforschungen der verschiedenen Kongreßausschüsse über sich ergehen lassen will.

Bill Simon will das nicht. Das jedenfalls war seine Begründung für den überraschenden Verzicht. Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet, denn wenn einer als sicherer Anwärter auf den Stuhl des Finanzministers galt, dann war das William E. Simon. Zwar waren nicht wenige Wirtschaftsexperten der Ansicht, daß Simon für seine Tätigkeit als Finanzminister unter den Präsidenten Nixon und Ford zu hoch gelobt wurde, aber es war der ausdrückliche Wunsch hochmögender Reagan-Freunde wie Justin Dart („Dart drug“) aus dem „Küchenkabinett“ in Los Angeles gewesen, Simon erneut in der „Treasury“ zu sehen. Auch hatte Simon für Reagans Wahlsieg hart gearbeitet, und daß europäischen Staatsmänner wie Bundeskanzler Schmidt Bill Simon als Ausweis für die Vertrauenswürdigkeit der künftigen Administration anführten, war schließlich eine weitere Empfehlung.