In Mittelfranken wird es 1981 ein Wochenende ohne Politik geben. Mandatsträger aller Parteien haben vereinbart, das jeweils letzte Wochenende im Monat von politischen Veranstaltungen freizuhalten. Bundestagspräsident Richard Stücklen hatte das „politikfreie Wochenende“ vorgeschlagen.

ZEIT: Warum soll ein politikfreies Wochenende eingeführt werden?

Stücklen: Ich habe 1979 bei meiner Antrittsrede als Bundestagspräsident den Vorschlag gemacht, daß ein Wochenende im Monat für die Familie freigestellt werden soll. Die im Bundestag vertretenen Parteien haben diesen Vorschlag, aufgegriffen, ihn aber bisher nicht realisiert, mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz: Rheinland-Pfalz praktiziert bereits 1980 diesen Vorschlag, wie mir der Ministerpräsident Bernhard Vogel mitgeteilt hat, mit großem Erfolg. Und die Abgeordneten von Mittelfranken haben jetzt gesagt, das machen wir auch. Die zweite Überlegung dabei war, daß der Politiker auch mal Zeit haben muß, in Ruhe nachzudenken, vielleicht mal ein Buch in die Hand zu nehmen und das zu lesen, wozu er in der Hektik der Parlamentsarbeit nicht kommt. Natürlich gibt es dafür kein Gesetz, sondern es ist eine freiwillige Vereinbarung der Parteien.

ZEIT: Sind die Politiker der Politik überdrüssig oder die Bürger der Politiker?

Stücklen: Aus meiner eigenen Erfahrung, und ich gehöre dem Parlament jetzt im 32. Jahr an, weiß ich, daß die Bürger nach der Teilnahme der Parlamentarier rufen. Und es war keine Seltenheit, daß ich übers-Wochenende bis zu zehn Termine wahrgenommen habe und wahrnehmen mußte, weil die Bürger erwartet haben, daß ich komme: ob zu Sänger- oder Feuerwehrfesten, ob zu parteipolitischen Veranstaltungen oder zur Arbeiterwohlfahrt.

Es ist also keinesfalls so, daß die Bürger der Politik überdrüssig sind. Das ist ganz eindeutig. Ich habe überhaupt keinen Zweifel. Das bringt uns ja um, diese Methode.

ZEIT: Haben Sie nicht Bedenken, daß nun gesagt wird: Die Diäten sollen erhöht, aber dafür weniger getan werden?