A ugsburger Religionsunfriede – Folge III

Hans Maier hat kein leichtes Leben. Als bayerischer Kultusminister soll der ehemalige Professor für Politische Wissenschaft weltoffen, denkfreudig, der Freiheit von Forschung und Lehre gegenüber aufgeschlossen sein. Als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken muß er seiner Kirche Treue und Gefolgschaft wahren. Beim Streit um die beiden Augsburger Theologieassistenten Werner Hörmann und Michael Lattke, denen der Bischof Josef Stimpfle im Sommer die kirchliche Lehrbefugnis „missio canonica“ entzogen hatte (ZEIT Nr. 32), schlägt Maiers Herz für den Glauben. Grund des Streits: Lattke hat seine Kinder noch nicht taufen lassen, Hörmann hat ständig Differenzen mit dem Bischof. Die Universität Augsburg ist zwar der Ansicht, das bischöfliche Verdikt sei nicht unbedingt bindend für den Staat; Uni-Präsident Karl Matthias Meeßen verhandelt derzeit noch mit Stimpfle, ob die ungeliebten Assistenten nicht doch in irgendeiner Form auch weiterhin in der katholisch-theologischen Fakultät arbeiten können. Kultusminister Maier aber mochte nicht warten und teilte jetzt Hörmann und Lattke in persönlichen Kündigungsschreiben mit, daß sie keine Mitglieder der katholisch-theologischen Fakultät mehr sind. Während die Universitätsverwaltung nun überlegt, in welchen anderen geisteswissenschaftlichen Fakultäten die beiden eingesetzt werden könnten, hat Hörmann schon klargemacht, daß er sich auf eine Versetzung nicht einlassen würde: „Ich bin Theologe, und bevor ich mir selber untreu werde, arbeite ich lieber als Straßenkehrer.“ Beide Assistenten haben mittlerweile Widerspruch gegen Maiers Bescheide eingelegt.

Die taz braucht Hilfe

Oft war sie schon totgesagt, aber zum Erstaunen der Schwarzmaler und auch zur eigenen Überraschung konnte sie immer wieder weiter vor sich hintazeln. Jetzt aber scheint es wirklich ernst. Die Tageszeitung, kurz taz genannt, scheint dem Ende nahe. 4000 neue Abonnenten braucht sie, um weiterzumachen – eine nur scheinbar kleine Zahl, denn 15 000 hat sie nur, und eine Steigerung von 4000 wäre immerhin eine Verbesserung um über 25 Prozent. Mit einem ganzseitigen Aufruf warb das alternative Blatt in seiner Ausgabe vom Mittwoch vergangener Woche in einer für linke Publikationen ungewöhnlichen Sprache um Geldspenden und neue Kunden. Durch Stellenkürzungen und eine neue, „weniger antiautoritäre Arbeitsorganisation“ sei es zwar gelungen, „gegenwärtig“ die Ausgaben den Einnahmen anzugleichen. Doch die Einführung einst verpönter hierarchischer Strukturen allein reiche nicht. Alte Schulden hängen der taz wie ein „Klotz am Bein“. Deshalb wirft das Blatt der „Graumäuse und Paradiesvögel“ (ZEIT Nr. 43) sich ganz in die Arme seiner Leser. Verdient die taz diese Spende, verdient sie nicht die Pleite? – fragt die Redaktion selbstkritisch in ihrem Aufruf. Denn sie weiß: Sie produziert ein auch für ihr Publikum oft unbequemes Blatt. Mit Gernot Gailers „Männerphantasien“, dem Diskussionsbeitrag „Freiheit für Rudolf Hess und der Frage „Darf ein linker Anwalt Vergewaltiger verteidigen?“ verärgerte die taz ihre und radikal feministische Klientel. Und die fackelt dann nicht lange: Das einst gelobte Blatt wird einfach abbestellt. Schade wäre es, wenn die muntere taz vom Markt verschwände.

Remmers-Sprüche

„Wir machen hier nur Teamwork – ich teame und Ihr workt“, sagt der lustigste aller deutschen Kultusminister, Niedersachsens Werner Remmers, in regelmäßigen Abständen zu seinen Mitarbeitern. Diese haben wieder einmal geworkt und ihrem Chef eine Sammlung seiner „Sprüche“ zum fünfzigsten Geburtstag geschenkt. Das CDU-Bildungsprogramm erinnere ihn an „metaphysisches Valium“ kann man in dem Büchlein lesen, und die Bildungspolitik müsse „in Ruhe gelassen“ werden. Man dürfe „sie nicht alle 14 Tage ausbuddeln, um zu sehen, welche Wurzeln sie geschlagen hat“. Ob das aber mit den heutigen Beamten geht, ist fraglich. Denn viele von i hnen kann Remmers „schon aus Tierschutzerwägungen nicht mehr umbetten“. Der NDR ist für ihn „die einzige Großverwaltung mit einem eignen Sender“ und sein Kollege Hans Maier der „Generalvertreter der Firma Weltgeist und Bedeutung“. Darf ein Kultusminister so frech sein? Einer, für den Bildungspolitik „wie Pinkeln gegen den Wind ist“, bestimmt. Denn er weiß, er macht sich vor allem „die eigene Hose naß“.