Ich war heute in dem Film „Watership Down“. Wir sind sehr wütend und enttäuscht, weil sich alles so schnell abspielt und eine grausame Szene nach der anderen kommt. Was uns besonders ärgert, ist: Es ist ein Zeichentrickfilm, und jeder denkt, es ist ein Film für Kinder (vor dem Kino stellt „ab 6 Jahre“), und in Ihrer Zeitung stand, die Kaninchen benähmen sich wie Kaninchen. Das stimmt ja überhaupt nicht! Nach Ihrer Kritik haben wir etwas völlig anderes erwartet. Können Sie nicht jemanden, der mehr von Kindern und Kaninchen versteht, die Kritik von solchen Filmen schreiben lassen?

Elke Thiemann (12)

Aus einem Leserbrief an den „Kölner Stadt-Anzeiger“

Kölner Preis für Hans Mayer

Aus Anlaß der Übergabe des schriftstellerischen und persönlichen Archivs von Heinrich Böll als Dauerleihgabe an die Stadt Köln hat der Rat am 20. März 1980 beschlossen, jährlich für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Literatur den „Literaturpreis der Stadt Köln“ zu verleihen. Er ist mit 25 000 Mark dotiert. Diese Auszeichnung soll im literarischen Leben Kölns einen besonderen Akzent setzen, der auch Ansporn für den Schriftstellerin. schen Nachwuchs ist und durch Fördermaßnahmen ergänzt werden soll. Die vom Rat der Stadt Köln berufene Jury hat am 27. Oktober 1980 entschieden, den Literaturpreis für das Jahr 1980 Hans Mayer zu verleihen. Die Laudatio hält der Kölner Schriftsteller Jürgen Becker. Damit ist nicht nur Akzent für eine neue Tradition, sondern hat eine Jury auch endlich einmal neue Maßstäbe gesetzt: Geehrt wird nämlich der Schriftsteller Hans Mayer – der in den probaten Handbüchern als Literaturwissenschaftler geführt wird. Daß Bücher wie Mayers „Georg Büchner und seine Zeit“, „Die Außenseiter“ oder seine soeben erschienene Thomas-Mann-Studie Werke eines genuinen Schriftstellers sind, wurde bisher gern übersehen.

Konrad Wachsmann

Im Vorwort zur Ausstellung, die sein Werk voriges Jahr in Stuttgart zeigte, gab er in der ihm eigenen radikalen Art des Denkens zu bedenken: „Das Wort ,Bauen‘ sollte aus dem Vokabularium verschwinden und ersetzt werden durch ein Wort, das den Begriff der Montage beschreibt, das heißt die Kunst des Fügens oder besser ‚Die Kunst der Fuge’. Das organische, logische Design wird dominieren.“ Dieses Nebeneinander von Wörtern wie organisch und logisch, von Kunst und Montage war charakteristisch für den Architekten Konrad Wachsmann, der eigentlich ein Forscher war und ein „Architektur-Monteur“. Dieser Tage ist er, 79 Jahre alt, im Exil gestorben, das längst seine Heimat geworden war, in Amerika. Der schon jung als „gewiegter Praktiker“ gerühmte Mann hatte sich nach der Tischlerlehre selber zum Architekten herangebildet und früh seine Leidenschaft fürs Konstruieren montierbarer Häuser entdeckt; zuerst entwarf er sie aus Holz (1930 baute er in Caputh bei Potsdam für Albert Einstein ein „Kleiner Christoph“ genanntes Holzhaus aus vorgefertigten Teilen), später aus Beton und Stahl. Er hat mit Gropius zusammengearbeitet, viele Systeme entwickelt, Serienhäuser protestiert und seine Kenntnisse und wohl auch seine Erfinderneugier weitergegeben. Niemand hat wie er den „Wendepunkt im Bauen“ (so der Titel seines berühmtesten. Buchs) gesehen und interpretiert als einen „ganz neuen Ausgangspunkt einer schöpferischen Produktivität“: Industrialisiertes Bauen, fand er, könne auch Kunst und Menschlichkeit einschließen.