Weil da schon einmal etwas in der Familie gewesen war, hatten Mr. und Mrs. Curlander ein genetisches Fachinstitut aufgesucht. Dort wurde ihnen Blut abgenommen, und ein paar Tage später kam das grüne Licht: Nichts deutete darauf hin, so wurde das Ehepaar belehrt, daß sie ein schwachsinniges Kind haben, würden.

Also kam Shaunda Curlander auf diese Welt. Bald aber stellte sich heraus, daß das Mädchen von der Tay-Sachs-Krankheit befallen war, einem Erbleiden, das zur geistigen Behinderung und Paralyse führt. Sein Auftreten hätte bei sorgfältiger Untersuchung der Eltern vörhergesagt werden können.

Dies nahm das geistesschwache Mädchen – vertreten durch einen versierten Anwalt – zum Anlaß, die genetische Beratungsstelle der Eltern zu verklagen.

Mit Erfolg. Der Richter des kalifornischen Appelationsgerichts entschied: Mit seiner Geburt sei dem Kind unzumutbares Leid zugefügt worden. Mithin habe ihm das genetische Institut einen Unterhalt zu zahlen.

Der bedauernswerten Shaunda, die unaufhaltsam der Verblödung zusteuert, ist die erzwungene Fürsorge des Instituts sicher zu gönnen. Gleichwohl hängt dem Urteil der Geruch von Paradoxie an. Wenn wir davon ausgehen, daß dem Mädchen Unrecht widerfahren ist, weil es existiert, so müssen wir wohl einräumen, daß für diese Bürgerin des Staates Kalifornien der Zustand des Rechts weder herstellbar noch überhaupt je existent gewesen sein kann, denn sobald er bestünde, gäbe es die Bürgerin nicht.

Näherliegend ist die andere Frage, die der Prozeß aufgeworfen hat: Angenommen den Eltern sei auf Grund der genetischen Belastung abgeraten worden, ein Kind zu bekommen, sie hätten sich aber dennoch dafür entschieden. Hätte es dann seine Eltern verklagen können, weil sie ihm das Leben gaben?

„Ja“, sagt derselbe Richter, „wer entgegen einem medizinischen Rat die Möglichkeit in Kauf nimmt, einem Menschen, zu schaden, muß damit rechnen, daß er dafür zur Verantwortung gezogen wird.“