Mit unguten Gefühlen wird in den Börsensälen dem neuen Jahr entgegengesehen. Denn die Nachrichten über einen deutlichen Rückgang der Konjunktur häufen sich und kommen jetzt bereits aus Branchen, die bislang als krisenfest galten.

Wenn sich bisher die Aktienkurse noch einigermaßen behaupteten, so lag dies an dem weitgehend übereinstimmenden Interesse, zumindest bis zum Jahresschluß ein Niveau aufrechtzuerhalten, das nicht zu neuen Abschreibungen auf die Effektenbestände nötigt. Aber was geschieht im Januar? Werden dann die Aktienkurse der sich ständig verschlechternden konjukturellen Situation angepaßt?

Eine Entlastung könnte nur von der Zinsseite her kommen. Doch auch hier sind die Aussichten alles andere als rosig. Die amerikanischen Broker vertreten überwiegend die Meinung, daß die restriktive Kreditpolitik der amerikanischen Notenbank auch zu Beginn des kommenden Jahres; noch beibehalten werden wird. Das würde bedeuten, daß die Bundesbank vorerst keinerlei Spielraum für eine Zinssenkung in der Bundesrepublik bekommt.

Auf dem Rentenmarkt waren die Kurse im Dezember bislang deutlich rückläufig. Einige Realkreditinstitute bieten Papiere mit einjähriger Laufzeit zu Renditen von etwa zehn Prozent an. Der Zentrale Kapitalmarktausschuß, der Emissionsvorhaben koordiniert, hat den Bundesfinanzminister aufgefordert, auf die sonst übliche „Silvester-Anleihe“ zu verzichten. Ob er sich dies angesichts seines hohen Kreditbedarfes leisten kann, scheint keineswegs sicher zu sein. Er müßte dann aber wohl marktgerechte Konditionen bieten, also Renditen, die deutlich über neun Prozent liegen. Denn schließlich zahlt die Weltbank für ihre neue zehnjährige Anleihe einen Nominalzinssatz von 9,25 Prozent (Ausgabekurs 99,25 Prozent), obwohl sich kuponsteuerfreie Emissionen einer wachsenden Beliebtheit erfreuen. Wohl auch deshalb, weil es sie noch in effektiven Stücken gibt.

Mit Sorge sehen die Börsianer übrigens auch der schon vor einiger Zeit angekündigten Kapitalerhöhung der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank entgegen, die sie im Verhältnis 8:1 zum Ausgabekurs von 175 Mark zur Jahreswende durchführen will. Die Bank hat inzwischen bekanntgegeben, daß sie ihre Dividende für 1980 deutlich zurücknehmen wird, Nachwehen einer übertriebenen Expansionspolitik. Damit hat die Bayerische Vereinsbank in München das Rennen für sich entschieden. K. W.