Von Gunter Hofmann

Bonn, im Dezember

Wächst dem Verteidigungsminister Hans Apel, der doch lange Zeit eine seltene Mischung aus Geschick, Glück und Erfolg in der Politik zu verkörpern schien, sein Mammutressort allmählich über den Kopf?

Nach einem glatten Start und wenig Fehlern gibt Apel sich zunehmend Blößen. Inzwischen wird er von allen Seiten gescholten. Das führt vom Fall des Generals Bastian über die spektakulären Gelöbnisfeiern, die unglückliche Idee mit den neuen Bundeswehrorden bis hin zur spät entdeckten 1,3-Milliarden-Mark-Finanzierungslücke beim Mehrzweckkampfflugzeug „Tornado“.

Eine winzige Panne, ein neues Schmuckstückchen für die Militärs zuviel, das weiß Hans Apel, könnte das I-Tüpfelchen sein, und er wäre „politisch ein toter Mann“. Die Zeiten sind vorbei, in denen er unangefochten die „Nummer eins“ im Kabinett und geborener Nachfolger des Kanzlers zu sein schien. Bei Helmut Schmidt, so sieht er es jedenfalls, „bin ich out“; jeden Verdacht, er sei darüber unglücklich, möchte er dennoch am liebsten unter Strafe stellen.

Koketterie und Sarkasmus spielen da gewiß hinein; aber warum soll es nicht auch stimmen, daß Hans Apel heute erleichtert ist, nicht mehr die Bürde des Kronprinzen zu tragen? In die Fußstapfen des Kanzlers zu treten, wird für keinen einfach. Sein eigenes Haus gut zu bestellen, ist auch ohne diese Vorbelastung schwierig genug. Und als ein Abziehbild von Schmidt zu gelten, „nur blonder“: das hat, wie Apel es heute darstellt, nur begrenzten Reiz.

Wenn man den Fall „Tornado“ als Symptom begreift, und das scheint Apel durchaus so zu sehen, dann ist es eines für die Tücken eines undurchschaubaren – manche sagen: unregierbaren – Riesenressorts, dessen Bürokratie, militärpolitische Eigeninteressen und eingefahrene Gewohnheiten politische Führung schwer, wenn nicht unmöglich machen.