Alles ist relativ, auch die Stärke des Dollar. Sie offenbart sich erst im Vergleich mit anderen Währungen, wie hier mit der Mark. Die Fieberkurve der letzten drei Jahre schwankt zwischen 1,70 und 2,15 Mark. Wollen wir lieber einen relativ schwachen oder einen relativ starken Dollar? In Zeiten, in denen es mehr auf die Exportkraft der deutschen Wirtschaft ankommt, der Geldwert aber nicht in Gefahr ist, liegt das Gesamtinteresse der deutschen Wirtschaft eindeutig bei einem starken Dollar. Sein Spiegelbild ist eine schwächere Mark. Sie verbessert die Lage der deutschen Exporteure, treibt aber die Einfuhrrechnungen in die Höhe. Wenn es dagegen mehr auf die Erhaltung des Geldwerts ankommt als auf die Förderung des Preiswettbewerbs auf ausländischen Märkten, überwiegt das Interesse an einem schwächeren Dollar, dessen Spiegelbild eine starke Mark ist. Sie hält unsere Einfuhrpreise niedrig und hilft der Bundesbank im Kampf gegen die Inflation. Solange die Einfuhrpreise für Rohöl noch nicht so hoch waren wie jetzt und der Geldwert von daher nicht gefährdet war, diente ein starker Dollar unseren Interessen besser. Gegenwärtig muß uns ein nicht zu starker Dollar lieber sein. Denn er drückt die Einfuhrpreise für Rohöl und andere teure Rohstoffe. Die Nachteile beim Export deutscher Waren wiegen im Vergleich dazu gering.

Die Entwicklung des Dollarkurses lief bis zum 11. Dezember unseren Interessen zuwider, und sie wird es, wenn die Zeichen nicht trügen, bald wieder tun. Der Dollar ist relativ stark, obwohl die Inflationsrate in den USA acht Prozentpunkte höher ist als bei uns. Allen Lehrbuch Weisheiten zum Trotz findet dieses Inflationsgefälle keinen Niederschlag im Wechselkurs. Drei andere Kräfte erweisen sich zur Zeit als stärker: das Gefälle der Leistungsbilanzen, das Zinsgefälle und die politische Unruhe in vielen Teilen der Welt. Während bei uns das Loch in der außenwirtschaftlichen Bilanz immer größer wird, steuern die USA auf ein Gleichgewicht zu. Drüben ist das Zinsniveau doppelt so hoch wie bei uns. Selbst wenn im nächsten Jahr unser Leistungsbilanzdefizit und das Zinsgefälle wieder schrumpfen werden, dürften die weltpolitischen Spannungen der Stärke des Dollar zugute kommen. Erstaunlicherweise verfällt gleichzeitig der Goldpreis, angeblich weil die hohen US-Zinsen zur Auflösung von Goldbeständen zwingen und die Goldproduktion der kommunistischen Staaten in den nächsten beiden Jahren weit über dem Stand von 1980 liegen werde. R. H.