Hannes Androsch geht von der Politik in die Wirtschaft – und in neue Schwierigkeiten

Der Kronprinz will abdanken. Hannes Androsch, viele Jahre lang Anwärter auf das Kanzleramt in Wien, scheidet nun doch aus der Regierung aus, ehe Bruno Kreisky dieses Amt niederlegt. Der von Skandalen umwitterte Finanzminister wird Ende Januar sein Amt niederlegen – um sofort ein neues zu übernehmen: Androsch wird Anfang Februar in den Vorstand der Creditanstalt-Bankverein überwechseln. Ende Juni 1981 soll er dann den bisherigen Generaldirektor, Heinrich Treichl, als Chef dieser größten Bank Österreichs ablösen. Der mit vier Millionen Schilling (rund 560 000 Mark) dotierte Job soll Hannes Androsch, der auch seinen Parlamentssitz und den stellvertretenden Parteivorsitz aufgeben muß, den Verzicht auf eine weitere politische Karriere schmackhaft machen.

Die österreichische Volkspartei (ÖVP) ist allerdings nicht gewillt, diesem Schachzug der Sozialisten, durch den die monatelangen Auseinandersetzungen zwischen Kreisky und Androsch, der Streit in der SPÖ und die Diskussionen in der Öffentlichkeit ein Ende finden sollen, kampflos zuzustimmen.

Bisher war der Job des Generaldirektors dieser verstaatlichten Bank, zu deren Herrschaftsbereich ein Industrieimperium mit 50 000 Mitarbeitern gehört, traditionell von der ÖVP besetzt worden. Wer in der Creditanstalt das Sagen hat, entscheidet über die Besetzung von hundert Vortandssesseln in den Führungsetagen der zum Einflußbereich der Bank gehörenden Unternehmen. Die ÖVP fürchtet deshalb, daß nach einer Einschleusung von Hannes Androsch in die wichtigste Position innerhalb des österreichischen Kreditapparates dieser nahezu vollständig von der SPÖ beherrscht werden würde.

Unberechtigt sind solche Sorgen nicht. Schließlich soll im Zusammenhang mit der Bestellung von Hannes Androsch der derzeitige Stellvertreter des Generaldirektors bei der Creditanstalt-Bankverein, Franz Vranitzky, dem durch den bisherigen Finanzminister die Aufstiegschancen genommen werden, zum Trost Chef der Länderbank werden. Vranitzky ist ein enger Freund Androschs. In der Postsparkasse sitzt bereits Herbert Cordt, ein ehemals enger Mitarbeiter von Androsch. Und im Aufsichtsrat der Creditanstalt sitzt Paul Schärf, der Schwiegervater von Hannes Androsch, als stellvertretender Vorsitzender. Es ist jener Dr. Schärf, der einen Kredit zu äußerst niedrigen Zinsen zugunsten einer Villa bekommen hat, in der Androsch wohnt. Daß nach solchen Geschäften, deren Bekanntwerden den schließlich unaufhaltsamen Abstieg des Hannes Androsch aus den Höhen der Politik eingeleitet hat, nun der Schwiegerpapa die künftigen Geschäfte des Schwiegersohnes mit kontrollieren soll, gehört zu den Pikanterien alpenländischer Filzokratie.

Allerdings verfügen im Aufsichtsrat der Creditanstalt-Bankverein SPÖ und ÖVP über je 13 Aufsichtsratsmitglieder. Die Freiheitliche Partei (FPÖ) stellt mit einem von der SPÖ freiwillig zur Verfügung gestellten Aufsichtsratsmandat das Zünglein an der Waage dar, wenn sich die Vertreter der Volkspartei gegen eine Berufung von Androsch in den Vorstand von Creditanstalt-Bankverein wehren. Innerhalb der ÖVP rechnet man, daß sich die FPÖ ihre Zustimmung zu Androsch politisch abkaufen lassen wird.

Daß Androsch trotz des politischen Tauziehens den ihm als Abfindung für seinen politischen Verzicht zugedachten Vorstandssessel schließlich bekommen wird, bezweifelt in Wien kaum jemand. Große Zweifel herrschen allerdings in der Bankenwelt, ob Androsch es schaffen wird, auch alle anderen Ämter und Funktionen, die der international angesehene Treichl derzeit innehat, zu übernehmen. Fest steht schon, daß der Nachfolger als Obmann der Geld- und Kreditsektion innerhalb der Bundeskammer der Gewerblichen Wirtschaft, wo eine ÖVP-Mehrheit herrscht, nicht Androsch, sondern Hellmuth Klauhs beißen wird. Klauhs ist derzeit als Generalanwalt mächtigster Mann im Raiffeisen-Bereich.