ZEIT: Schießkrieg zwischen den beiden Opec-Staaten Iran und Irak, Preiskrieg und regionale Zersplitterung im Innern der Erdöl-Organisation: Sie mußte ihre Bagdader Jubiläumsfeier zum zwanzigjährigen Bestehen auf unbestimmte Zeit verschieben. Ist die Opec noch handlungsfähig?

Jamani: Der irakisch-iranische Krieg hat die Opec nicht gelähmt. Er hat nur einige ihrer Aktivitäten gestört und ihr volles Funktionieren verhindert. Sie bleibt jedoch intakt und für uns Erdöl exportierende Staaten ein großer Erfolg. Wenn es mit Opec-Hilfe gelingt, im zukünftigen Nord-Süd-Dialog unser Ziel einer neuen Weltwirtschaftsordnung zu erreichen und der Dritten Welt einen gerechten, angemessenen Anteil am Wohlstand zu verschaffen, dann wird die Opec in der Geschichte als ein Monument dastehen.

ZEIT: Wie steht es um die unter ihrem Vorsitz ausgearbeitete „Langzeitstrategie“ der Opec, die vor allem eine Indexformel für gemäßigte, voraussehbare und automatische Ölpreiserhöhungen, aber auch die Schaffung neuer Kanäle für Hilfeleistungen an die Entwicklungsländer sowie Vorschläge für einen umfassenden Dialog zwischen Opec- und Industriestaaten vorsah?

Jamani: Die Annahme dieses Langzeitprogramms ist für begrenzte Zeit vertagt worden.

ZEIT: Für wie lange?

Jamani: Diese Frage kann ich nur beantworten, wenn Sie mir sagen, wann der Golfkrieg zu Ende geht.

ZEIT: Sind das Preischaos und die ungezügelte Preistreiberei, die in den letzten zwei Jahren zu einer Verteuerung des Öls um 150 bis 200 Prozent führten, nicht Schwächezeichen eines Kartells, das seinen Zusammenhalt verliert?