Von Horst-Dieter Kreidler

Ob Ski-Langläufer wirklich länger leben, wie ihr Wahlspruch vorgibt, ist wohl nicht ganz eindeutig auszumachen. Fest steht jedoch: Sie leben gesünder.

Nun soll hier freilich nicht von jenen die Rede sein, die sich nicht mehr mit 20 oder 30 Kilometern begnügen können, sondern schon eine Distanz von 50, 70 oder gar 100 Kilometern brauchen, und auch nicht von jenen, die an Massenveranstaltungen mit über 2000 bis 3000 Läufern teilnehmen, sondern von den unendlich vielen aus allen Altersgruppen, für die die schmalen Langlauf-Bretter seit einigen Jahren die Welt bedeuten, zumindest zur Winterszeit und für ihre Weise, Wintersport zu treiben.

Allerdings muß auch der größte Eiferer für den Ski-Langlauf eingestehen, daß die Verwirklichung seiner Leidenschaft in einer recht ärgerlichen Abhängigkeit steht – vom Schnee. Davon kann es fürs Langlaufen zu wenig, gar keinen oder auch zu viel geben, und er kann geographisch ganz verrückt verteilt sein, wie die letzten launischen Winter gezeigt haben.

Warum hat der Ski-Langlauf in den letzten Jahren solch ungeahnt großen Zulauf gefunden? Von den Gründen seien nur einige genannt: Verdruß vieler Pistenfans über das lange Warten am Skilift; fast überhaupt keine Folgekosten (schon für relativ wenig Geld ist eine Grundausstattung zu haben, sie kostet oft weniger als ein einzelner Rennski); erhöhtes Gesundheitsbewußtsein; Möglichkeit zum Ski-Langlauf auch im Schwabenalter oder gar noch später.

Vor allem aber hat die Ski-Industrie ganz neue Zielgruppen angesprochen, neue Bedürfnisse geweckt, seit ihr Absatz im alpinen Bereich bedrohlich zu stagnieren begann: Nach einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie in Allensbach sind 2,4 Millionen Bundesbürger im Besitz von Langlaufski; beim größten deutschen Produzenten waren, schon 1978 Gliedes vierte Paar Ski Langlauf-Bretter. Mittlerweile gibt es von Winterberg über Schonach bis Ruhpolding Hunderte von Loipen, längst locken Wintersportorte nicht mehr nur mit Apres-Skivergnügen, sondern mit Langlauf-Freuden in stets frisch präparierten Doppelspuren.

Aber bedarf es überhaupt der gespurten Loipen? Man kann sich auch nach eigenem Belieben – und sollte dies bisweilen tun – eine Spur legen, in diesem Fall am besten einen Rundkurs, kann zu dritt oder viert durch tiefverschneite Wälder oder über Hügelketten in stetem Wechsel irgendwo eine neue Spur ziehen. In dieser Unabhängigkeit von gewalzten Pisten, von einer vorgegebenen Spur, in dieser ganz anderen Weise der Selbsterfahrung liegt ja der eigentliche, der besondere Reiz des Ski-Langlaufs und Ski-Wanderns.