Hervorragend

Frey, Tiepold, Thierfellen „Ziyada.“ Alles an dieser Vorführung ist von außergewöhnlicher Qualität, zuallererst sind es die künstlerischen Fertigkeiten dieses Jazztrios: des Pianisten (und Synthesizer-Spielers) Matthias Frey, des Cellisten Wolfgang Tiepold, des Schlagzeugers Michael Thierfelder; schon im ersten Stack begreift man ihre offensichtlich gründliche klassische Ausbildung als das Fundament ihres auffallend phantasievollen Musizierens. Dann fällt die Musik selber auf, ein aufwühlender, auch lyrischer, sehr schwungvoller, oft singender, durchweg höchst geistreicher Jazz, der die freundschaftlichen Bande zur E-Musik pflegt. Man bewandert die originellen, rhythmisch sehr prägnanten, mit präzisen Verzierungen versehener. Melodien, aber auch die ungewöhnlich intelligenten „Durchführungen“. Man hat großen Spaß an den eigenwilligen, nuancierten Klangfarben, also an der einfallsreichen Instrumentierung, die vielen Stücken erst ihren Charakter gibt. Das Trio erlaubt sich auch nicht eine Ungenauigkeit Und beim dritten Hören wird es nicht langweilig, sondern erst wirklich spannend. (Concept/Bellaphon CC 001679)

Manfred Sack

So wichtig wie überflüssig

Erich Wolfgang Korngold: „Violanta“. Am 29. November 1957 starb in Hollywood ein Komponist, dsssen Name achtzehnmal auf dem Abspann eines großen Films, meist bei Warner Bros, stand; der als Neunjähriger seine erste Kantate fertig hatte, dessen Pantomime „Der Schneemann“ zu Kaisers Namenstag in der Wiener Hofoper aufgeführt wurde – das Werk eines Dreizehnjährigen. Nach dem Kriege hörten wir ein Violinenkonzert mit unheimlichen schönen schmälzernen Melodien – der langsame Satz stand schon einmal als musikalischer Goldgrund hinter den Liebesszenen zwischen Erzherzog Maximilian, Kaiser von Mexiko, und Charlotte im Film „Juarez“. „Violanta“: Mord aus Eifersucht, wobei das Messer die Falsche trifft. Nicht ganz ohne Grund konnte bei der Uraufführung 1916 ein Operettentenor für den Helden einspringen. Wagner mit Puderzucker, Mahler mit Pfefferminz-Umhüllung – es muß schwer gewesen sein, in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts zu komponieren: die Großen im Nacken, nicht viel Freiheit in Aussicht, vor allem wenig Hoffnung auf einen Ausweg in der harmonisch-formalen wie der expressionistischen Sackgasse. Aber gerade dies einmal vorzuführen an Hand eines Werkes, das seinerzeit wohl ein beachtlicher Erfolg war – und heute an vielen Orten wieder sein könnte –, dürfte zu den Aufgaben, wenn auch nicht zu den ökonomischen Anreizen einer Plattenfirma zählen, die sich hier einer aufrichtig bemühten Interpretation des Bayerischen Rundfunks anschloß. (Berry, Marton, Jerusalem, Laubenthal, Leitung: Marek Janowski; CBS 79 229)

Heinz Josef Herbort