Wenn das Kartellamt diesmal nicht zuschlägt, dann müßte wirklich die Frage gestellt werden, wozu es eigentlich da ist. Der Verkauf der Kaufhof-Aktienpakete durch Commerzbank und Dresdner Bank an den mit Vorliebe unbeobachtet von der Öffentlichkeit agierenden Schweizerischen Handelsriesen Metro und die Schweizerische Bankgesellschaft ist auf keinen Fall mit dem Geist der Gesetze zum Schutz des Wettbewerbs zu vereinbaren.

Vielleicht sind sich Käufer und Verkäufer besonders schlau vorgekommen, als sie die beiden Pakete so zuschnitten, daß sie mit 24 Prozent haarscharf unter der Grenze bleiben, wo das Kartellamt sofort eingreifen kann. Ist das Geschäft erst einmal über die Bühne, dann können sich die beiden Schweizer Käufer untereinander arrangieren oder noch ein paar Aktien aus deutschem Besitz zukaufen – möglicherweise auch beides. Metro würde so eine beherrschende Stellung beim Kaufhof erobern und das deutsche Kartellamt könnte die Paketschieberei im Ausland nur noch mit – vermutlich ohnmächtigem – Zorn verfolgen.

Für wie dumm halten die Verantwortlichen der Commerzbank und der Dresdner Bank eigentlich die Kartellbeamten und die Öffentlichkeit? Und wie wohl fühlt sich Hans Friderichs in seiner Haut, der vor seinem Wechsel an die Spitze der Dresdner Bank als Bonner Wirtschaftsminister viele Jahre lang für die Verteidigung von Marktwirtschaft und Wettbewerb in der Bundesrepublik verantwortlich war?

Eine dritte und noch viel wichtigere Frage schließt sich an: Wenn die Bundesregierung die Banken zwingen will, ihre Beteiligungen an Industrie- und Handelsunternehmen abzubauen, wird dies dann nicht zu einer noch viel bedenklicheren Zusammenballung von Wirtschaftsmacht führen? Commerzbank und Dresdner Bank haben das Geschäft mit den Schweizern wohl vor allem deswegen eingefädelt, weil sie Geld in der Kasse haben wollen. Aber sie haben gewiß auch an die Reform des Kreditwesengesetzes gedacht. Das Schicksal der Kaufhof-Aktien zeigt deshalb, welchen Weg die anderen Beteiligungen der Banken mit einiger Sicherheit gehen werden, wenn ein Verkauf erzwungen wird.

Die Konzentration in der Wirtschaft, die Einschränkung des Wettbewerbs, wird auf diese Art eher gefördert als gemindert. Denn wenn die Banken überhaupt Käufer für ihre Pakete finden, dann vor allem im Kreis der Großunternehmen.

Wenn die Trennung der Banken von ihrem Schachtelbesitz gesellschafts- und wettbewerbspolitisch einen Sinn machen soll, dann kann nur ein Verkauf über die Börse an das breite Publikum in Frage kommen – so wie es zum Beispiel die Deutsche Bank vor Jahren mit ihrem Daimler-Paket gemacht hat. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß die Aktie wieder populärer wird. Solange viele Politiker und Gewerkschafter aus ideologischen Gründen alles, was mit Börse, Aktien und Kapitalgesellschaften zu tun hat, als Teufelszeug betrachten, wird dies kaum gelingen. Sie sollten sich deshalb ernsthaft fragen, ob ihnen eine Entwicklung à la Kaufhof lieber ist. Wenn dieser Zug einmal abgefahren ist, wird er sich kaum noch aufhalten lassen. Aber da sei zunächst einmal das Kartellamt davor. Michael Jungblut