Verfälscht

„Der Mann mit der Stahlkralle“ von John Flynn. Nach siebenjähriger Folter und Gefangenschaft aus Hanoi zurückgekehrt in seine Heimatstadt San Antonio (Texas), als Held gefeiert und belohnt, wird Major Charles Rane (William Devane) in seinem Haus von Gangstern überfallen, die seine Frau und seinen Sohn töten und seine rechte Hand verstümmeln. Ausgestattet mit einer Stahlklaue, die er zur Waffe feilt, folgt er den nach Mexiko Geflüchteten, um blutige Rache zu nehmen – im vollen Ornat seiner Offiziersuniform. Mit seiner Besessenheit, seiner emotionalen Erstarrung und seinem Kastrations-Komplex wirkt Charles Rane wie ein Bruder von Travis Bickle in Martin Scorseses „Taxi Driver“. Nicht von ungefähr, denn „Rolling Thunder“ Originaltitel) sollte, schon 1973, das Regiedebüt des Drehbuchautors Paul Schrader sein. Ein „exploitation movie“ zwar für die Produktionsfirma American International Pictures, doch zugleich auch gedacht – in seiner ursprünglichen Konzeption jedenfalls – als interessante Infragestellung des damals populären Vigilanten-Mythos („Ein Mann sieht rot“) und der gerade einsetzenden filmischen Bewältigungsversuche des Vietnam-Traumas. Das Projekt scheiterte zunächst und wurde erst vier Jahre, später realisiert vom Routinier John Flynn („Revolte in der Unterwelt“), wobei das Schrader-Drehbuch (von Heywood Gould) stark „überarbeitet“ und der Film nach Fertigstellung noch um einige besonders brutale Passagen gekürzt wurde. Entscheidend verfälscht wurde vor allem die Rolle des Protagonisten. Aus einem psychopathischen Rassisten (dem der Rio Grande zur Demarkationslinie wird und Mexiko zu Vietnam) ist nun ein im Grunde sympathischer Selbstjustizheld à la „Death Wish“ geworden: Ein (einhändiger) Mann sieht rot. Statt eines Films über einen Rassisten ein rassistischer Film, wie Schrader einmal kurz und grimmig das Resultat charakterisierte. Nicht ohne Reiz jedoch für jemanden, den die thematischen Obsessionen dieses eigenwilligen Autors und Regisseurs („American Gigolo“) auch in rudimentärer Form interessieren. Helmut W. Banz

Blöd

„Noch mehr Rauch um überhaupt nichts“ von Thomas Chong, mit Thomas Chong und mit Cheech Marin in einer Doppelrolle, nach einem Buch von Cheech Marin und Thomas Chong, Originaltitel: „Cheech and Chong’s Next Movie“. Zwei Männer spielen selbstsüchtige Spiele: Cheech und Chong als Cheech und Chong. Dabei stehlen sie Benzin und ein Auto, lärmen auf Gitarren und erforschen einen Massagesalon. Sie rauchen Shit, und wenn sie das nicht haben, rauchen sie auch mal einen Käfer. Und sie kalauern ununterbrochen – nicht subversiv anarchistisch, eher blödelnd. Gelegentlich konkurrieren sie miteinander, spielerisch: Cheech oder Chong? Treibt Chong die langweiligsten Scherze? Oder gelingt. dies Cheech? Reißt Cheech die dümmsten Witze? Oder Chong? Lacht Chong am lautesten über sich selbst? Oder Cheech? Manchmal lachen beide zusammen zu laut, als daß dies zu beantworten wäre. In einer Sequenz mit einer reichen Familie kann man zwei Frauen, sehen, die Cheech und Chong lustig finden. Die ältere Frau schreit einmal: „Ich möchte lachen, immer nur lachen!“ Und dann lacht sie. Und Cheech II und Chong lachen mit. Gegen Ende des Films, nach einer Verfolgungsjagd mit einem Polizeiauto, werden Chong und Cheech II von einem Ufo aufgesaugt, durch einen bläulich-grellen Lichtstrahl. Doch Chong kommt danach noch einmal auf die Erde zurück. Er möchte auch den eigentlichen Cheech, also Cheech I, Space-Koks genießen lassen. Die Wirkung dieses Stoffes ist explosiv. Schon nach kurzem Schnüffeln fliegen beide ins Weltall. Dort suchen sie nun andere galaktische Einheiten mit ihren blöden Gag-Eskapaden heim.

Norbert Grob

Empfehlenswerte Filme

„Willkommen, Mr. Chance“ von Hai Ashby. „Gloria“ von John Cassavetes. „Shining“ von Stanley Kubrick. „Kagemusha“ von Akira Kurosawa. „Atlantic City USA“ von Louis Malle. „Peeping Tom“ von Michael Powell. „Christus kam nur bis Eboli“ von Francesco Rosi. „Berlin Chamissoplatz“ von Rudolf Thome (Siehe S. 29/30).