Letzte Woche gab der „Coburger Convent“, ein Zusammenschluß schlagender Verbindungen, das Ergebnis einer Umfrage bekannt: Nur noch zwei von 44 deutschen Hochschulen verbieten das „Farbentragen“. An allen anderen Universitäten dürfen nach langem Verbot die Korporierten nun wieder mit buntem Band und Mütze im Hörsaal und auf dem Campus offen die Zugehörigkeit zur Verbindung zeigen. Besonders mit den schlagenden Verbindungen geht es wieder aufwärts.

Der neue Auftrieb der studentischen Korporationen an den Hochschulen

Von Michael Schwelien

Genauso habe ich mir einen Verbindungsmann vorgestellt. Der dünne Schnurrbart verdeckt die rötlich glänzenden Schmisse kaum. Die zurückweichenden Haupthaare legen unbarmherzig frei, was sie einst verbargen: weitere Narben, denn bei der Mensur wird nicht nur ins Gesicht, sondern auch kräftig auf den Kopf geschlagen. Der Bauch läßt nichts zu wünschen übrig:-eine solche Wampe kann nur vom Trinken kommen. Von Frauen redet er in einer eigentümlichen Mischung aus Anbetung und Verachtung: Fabelwesen sind sie für ihn allemal, die „Damen“, wie er sie altmodisch sittsam nennt.

Steffen Maedler, „Teutone“ in Würzburg, ist Mitglied einer schlagenden Verbindung, ein Korporierter wie er im Buche steht. Student der Geschichte im ’zigsten Semester, ist er mit dem fränkischen Mainstädtchen und besonders dessen Rebstöcken aufs innigste verwachsen.

Er kennt jeden Säbelhieb und jede Lage. „Besonders bei Weinen“, sagt er, „gehe ich gerne systematisch vor.“

Die Kellnerin im Weinhaus „Zum Stachel“ wird von Steffen vertraulich „Erika“ gerufen, damit sie seinen Gästen – vier Journalisten – noch eine letzte Flasche vom „Allerbesten“, vom Würzburger Stein, Riesling, „kredenze“. Nicht, daß er Erika kennt. Nein, im „Stachel“, dem ersten Weinlokal Würzburgs, verkehrt auch er nur ganz selten. „Wegen der Preise.“