Von Gabriele Venzky

Als Apollo Milton Obote am Montag vor dem Parlamentsgebäude von Kampala als neuer Präsident Ugandas vereidigt wurde, war ihm etwas gelungen, was noch kein afrikanischer Staatsmann vor ihm geschafft hatte: ein Comeback. Im Jahre 1971 hatte ihn das Militär gestürzt; seitdem sah es ziemlich hoffnungslos für ihn aus. Doch nun ist er ein zweites Mal an die Macht gekommen, und zwar nicht etwa durch einen Gegenputsch, sondern nach Wahlen. Auch das ist ein afrikanisches Novum.

Ob sich Obote allerdings seines Sieges so recht freuen kann, steht noch dahin; wenn überhaupt es ein Sieg war. Denn mit rechten Dingen ist es bei dieser Wahl gewiß nicht zugegangen, auch wenn das winzige Beobachterteam aus den Commonwealthländern feststellte: "Wir glauben, daß dies eine gültige Wahl war, die im weitesten Sinne den Wählerwillen des Volkes von Uganda reflektiert."

Solch’ "weitester Sinn des Wählerwillens" läßt Zweifeln weitesten Raum. Aber Genaues wird sich niemals belegen lassen. Denn in weiser Vorahnung hatte Obotes Partei, der Ugandische Volkskongreß (Uganda People’s Congress – UPC) darauf bestanden, daß nur unmarkierte Stimmzettel abgegeben wurden. Sie mußten in eine der vier Urnen geworfen werden, welche die vier kandidierenden Parteien in den Wahlzentren aufgestellt hatten. Aber wie soll jetzt festgestellt werden, welcher Stimmzettel in welcher Urne gelegen hat? Das clevere System machte jede nachträgliche Korrektur möglich und jede Nachprüfung unmöglich.

Wie konnte es sonst geschehen, daß in einem Wahlkreis, in dem die konkurrierende "Demokratische Partei" (DP) schon als Sieger ausgezählt worden war, plötzlich die UPC mit 55 000 gegen 6000 Stimmen in Führung lag. Wie anders erklärt sich, daß der regierende Militärrat am Freitag plötzlich die Bekanntgabe des Wahlergebnisses verbot, als die Demokratische Partei bereits zum Siegesfest rüstete? Am Sonntag wurde dann das Resultat verkündet, und da hatte plötzlich Obotes UPC die absolute Mehrheit der 126 Parlamentssitze gewonnen.

Dieser wundersamen Umwandlung einer Niederlage in einen Sieg waren hektische Telephonate zwischen dem Vorsitzenden der ugandischen Militärjunta und dem tansanischen Staatschef Nyerere vorangegangen. Welche Anweisungen der Gönner Obotes, der nach wie vor die Schlüsselfigur in den ugandischen Wirren ist, gegeben hat, läßt sich nur ahnen. Nyerere braucht jetzt vor allem Ruhe im Nachbarland; er muß sich endlich von dem Odium des Besatzers befreien, in das er seit dem Einmarsch tansanischer Truppen nach Uganda vor fast zwei Jahren geraten ist, auch wenn er damit den Massenmörder Idi Amin vertrieb. Nyerere muß sich endlich die enormen Kosten vom Halse schaffen, die ihm die Stationierung von immer noch 10 000 Mann seiner Armee im Nachbarland aufladen.

Der einzige Politiker, der nach Nyereres Ansicht das Chaos-Land Uganda wieder auf die Beine bringen kann, ist Obote. Neun Jahre lang beherbergte er ihn im tansanischen Exil. Auch im Ausland gilt der erste Regierungschef des nachkolonialen Uganda, der voller Stolz seinen Dr. jur. honoris causa von der nicht eben sehr berühmten Universität Long Island seinem Namen voranstellt, als einziger Politiker von internationaler Statur. Alle anderen sind weithin unbekannte Größen, und viele sind nicht übriggeblieben. Der wahnsinnige "Marschall". Idi Amin hatte seine Gegner den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen oder – darin Obotes Vorbild folgend – ins Exil gezwungen.