DIE ZEIT

Sieh da – ein Talar

Die Szene gehört zum unvergeßlichen Bilderschatz längst vergangener Sturmjahre: die zwei Studenten, selbst noch im feierlichen Schwarz, die vor den im Ornat zur Immatrikulationsfeier schreitenden Professoren das Spruchband ausbreiten, auf dem der Satz steht: „Unter den Talaren Muff, von tausend Jahren.

Kampf um Prozente

Die Ouvertüre haben Gewerkschafter und Arbeitgeber in den vergangenen Monaten schon gespielt. In dieser Woche beginnt mit der Veröffentlichung.

U-Boote für Pinochet?

Hätte nicht der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Norbert Gansel wieder einmal seine Nase in Dinge gesteckt, die ihn von Staats wegen nichts angehen sollten, so wäre die haarsträubende Geschichte wohl erst ruchbar geworden, wenn nichts mehr zu reparieren gewesen wäre: Die Kieler Howaldtswerft soll zwei Unterseeboote für Chile bauen.

Wut staut sich auf in Washington

Der Spielraum der Bonner Außenpolitik ist schmaler geworden. Von Osten her engt ihn der Vorherrschaftsanspruch Moskaus ein, den die Kremlführer in der Polenkrise mit einer lange nicht mehr erlebten Brutalität zur Geltung bringen.

Zeitspiegel

Es will nicht aufhören. In letzter Zeit muß sich der Bremer Regierungschef Hans Koschnick immer neuer „Spekulationen“ erwehren: Bleibt er nun oder geht er doch.

Worte der Woche

„Sollte jemand einen Kahlschlag in der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes anstreben, dann wird er einen Arbeitskampf erleben, dem gegenüber die Tarifauseinandersetzungen des Jahres 1974 eine brave Seminarveranstaltung waren.

„Der Schock wird kommen“

Andreas Kohlschütter sprach mit Scheich Ahmed Saki Jamani: „Ihr Westler seid so geizig, habgierig und selbstsüchtig“

Der „Tornado“ ist in die Schußlinie geraten. Die Krise um das Kampfflugzeug verschärft die Schwierigkeiten des Bundesverteidigungsministers: Aus dem Tritt geraten

Nach einem glatten Start und wenig Fehlern gibt Apel sich zunehmend Blößen. Inzwischen wird er von allen Seiten gescholten. Das führt vom Fall des Generals Bastian über die spektakulären Gelöbnisfeiern, die unglückliche Idee mit den neuen Bundeswehrorden bis hin zur spät entdeckten 1,3-Milliarden-Mark-Finanzierungslücke beim Mehrzweckkampfflugzeug „Tornado“.

Was kostet ein Kilo vom Supervogel?

Im Verteidigungsministerium auf der Bonner Hardthöhe werden in diesen Tagen unentwegt Rechenkunststücke vorgeführt. Zum Beispiel das folgende: Angenommen, jemand könnte sich den „Starfighter“, das zur Ausmusterung anstehende Standardkampfflugzeug von Luftwaffe und Marine, kiloweise kaufen.

Chinesische Führungskämpfe: Gerüchte um Hua

Nun zählen sie wieder, die Tage. Die westlichen Korrespondenten in Peking sind, mangels zureichender Informationen, zur modernen Art des Kaffeesatzlesens zurückgekehrt, wie sie in den meisten kommunistischen Staaten ohnehin noch im Schwange ist! Aus Rangordnungen bei öffentlichen Auftritten der Führungscliquen, aus dem Schweigen über bestimmte Persönlichkeiten schließen sie auf veränderte Hackordnungen und, auf Machtkämpfe hinter den Kulissen.

Reagans Kabinett: Mannschaft im Mahagony-Look

Ronald Reagan bricht mit einer der überflüssigen Traditionen, an denen das politische Leben Amerikas nicht eben arm ist. Daß er eigentlich erst an diesem Montag durch das Wahlmännerkollegium zum Präsidenten gewählt worden ist, gehört – am Rande vermerkt – auch dazu.

KSZE: Keine Verständigung

Diese Frage drängt sich auf, wenn man die erste Hälfte der Madrider Konferenz bilanziert. Nach sechswöchiger Debatte sind die Sprachschwierigkeiten kaum noch zu überhören, mit denen sich West und Ost im Palacio de Congresos zu verständigen suchen.

BONNER BÜHNE: Wie die Feste fallen

Dies ist in Bonn nun die Woche der Abschiede und Antritte, auch mit fein abgestuftem Protokoll. Klaus Bölling, der Regierungssprecher, hat der Bonner Presse Valet gesagt, wie immer in wohlgesetzter Rede, und der Vorsitzende der Bonner Pressekonferenz, Ernst Ney, hat ihm vor vollem Saal viele gute Wünsche mit auf den Weg gegeben – und einen Eisbären aus Porzellan, denn es geht ja nach Osten, in die politische.

Jugoslawien: Keine Reform

Die Hoffnungen der Intellektuellen auf eins liberale Öffnung in der Ära nach Tito wurden enttäuscht. Den Antrag des Schriftstellers Dobrica Cosic und des Philosophen Lubomir Tadic, eine marxistische Zeitschrift Javnost (Öffentlichkeit) zu gründen, lehnte das Informationsministerium ab.

Polen: Warnungen von allen Seiten

Der Aufmarsch der Roten Armee hat einen rhetorischen Krieg zwischen Ost und West heraufbeschworen. Die polnischen Reformer und die kommunistische Partei spielen die Gefahr einer Intervention herunter.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Im iranisch-irakischen Krieg zeichnet sich keine entscheidende Veränderung ab. In der iranischen Erdölprovinz Chusistan tritt der Krieg noch immer auf der Stelle.

Italien: Späte Einsicht

Schon am 3. Dezember hatte das KPI-Direktionsmitglied Napoletano für den Fall einer Intervention „nicht wieder gutzumachende Konsequenzen“ angekündigt – eine Formulierung, die auch in einem Rundschreiben der KPI an alle Parteiführungen Osteuropas enthalten war.

„Ein Mann ohne Feinde“

Pinto Balsemāo gehörte, wie sein Freund, der tödlich verunglückte Regierungschef Sá Garneiro, 1974 zu den Mitbegründem der Sozialdemokraten.

Rockefellers Rache

Wie New Yorker Banken mit gewagten Kreditmanövern Weltpolitik machten – und wie das Vermögen des Schahs gerettet wurde

Die Geiseln

Nach frommer Ermunterung des Ajatollah Chomeini stürmte am 4. November 1979 ein hysterischer Mob die US-Botschaft in Teheran.

Das Acht-Milliarden-Faustpfand

Wer weiß, vielleicht schreibt Jimmy Carter in Gedanken bereits an einem Kapitel seiner Memoiren: „Wie es mir gelang, die amerikanischen Geiseln durch zähes Verhandeln schließlich sicher und heil nach Hause zu bringen.

Krupp-Anteile

Es ist erst ein gutes Jahr her, und beinahe schon vergessen: Am 20. November 1979 erließ die Essener Amtsrichterin Jutta Kraußold auf Antrag der amerikanischen Bank Morgan Guaranty Trust eine Arrestanordnung auf die Beteiligung des iranischen Staates an der Fried.

Welt von morgen: Ins Land der Hoffnungen

In den 50er und 60er Jahren herrschte in der Futurologie der größte Zukunftsoptimismus. Mit der Krise der 70er Jahre schlug die Stimmung radikal um.

Barbara bittet: 76 Frauen helfen

Als Türschild dient ein weißer Karton mit dem Aufdruck „Flüchtlings-Starthilfe e.V.“, darunter der handgeschriebene Hinweis „Sprechstunde: Mittwoch 10–16 Uhr“.

Theologie: Nach Auschwitz

Natürlich ist die Welt danach nicht anders, schon gar nicht besser geworden. Auschwitz, angenommen als Epochenbegriff, auch als Wendemarke politischen, menschlichen Handelns, hat kein neues, humanes Zeitalter eingeleitet: der Judenhaß wirkt fort, die Schergen foltern und morden wie ehedem, auch ganze Volksgruppen werden systematisch „ausgemordet“.

Die Post weiß alles: Blutproben ausspioniert

So ganz wollte man sie nicht verstehen, die westdeutschen Postler, als sie vor kurzem den Ausstand probten: Hatten ihnen doch gerade fünf Kollegen aus dem Schwäbischen vorgemacht, wie spaßig man seinen nächtlichen Schichtdienst eben auch gestalten kann.

Woher kommt unser Mißtrauen gegen Fremde?

Dies ist, was eine deutsche Hauptschülerin über Gastarbeiter zu Papier brachte: „Viele Leute bezeichnen die Gastarbeiter als asoziale Bagasche und als Sittenstrolche.

Was den Sowjets weh tut

Erwin Schlosser, Geschäftsführer der deutschen Werkzeugmaschinenbauer in Frankfurt, ist pessimistisch: „Ich glaube nicht, daß man die westlichen Länder unter einen Deckel bekommen wird.

Wohnungsbau: Unsoziale Sozialdemokraten

Besonnene Berichterstatter notieren es mit einem Hauch von Wehmut: Der Wohnungsbaupolitik, einem fast schon klassisch zu nennenden Terrain staatlicher Gängelung und zwangswirtschaftlicher Schurigelei, wird die höchste Vollendung des Dirigismus versagt bleiben.

Bonner Kulisse

Der Streit über Sparbeiträge der wohlversorgten Beschäftigten des öffentlichen Dienstes achtet inzwischen weder die Wochenendruhe noch die Loyalitätspflicht innerhalb einer Partei – wobei es Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff mit seinen Rundumschlägen, die zuletzt den fortschrittlichen Parteifreund Gerhart Rudolf Baum trafen, besonders wüst treibt.

Personalabbau bei Siemens: Nur der erste Streich?

Das hatte es vorher noch nicht gegeben: Auf einer Betriebsversammlung der Siemens AG in der Hofmannstraße in München meldeten sich in der vergangenen Woche nicht weniger als 36 Belegschaftsangehörige zu Wort.

Metro–Kaufhol: Ein schlauer Plan

Wenn das Kartellamt diesmal nicht zuschlägt, dann müßte wirklich die Frage gestellt werden, wozu es eigentlich da ist. Der Verkauf der Kaufhof-Aktienpakete durch Commerzbank und Dresdner Bank an den mit Vorliebe unbeobachtet von der Öffentlichkeit agierenden Schweizerischen Handelsriesen Metro und die Schweizerische Bankgesellschaft ist auf keinen Fall mit dem Geist der Gesetze zum Schutz des Wettbewerbs zu vereinbaren.

Harte Nuß für Kartte

Geht es nach den Vorstellungen von Kartellamtspräsident Wolfgang Kartte, dann ist kommenden Montag schon wieder alles vorbei.

Österreich: Den Abgang vergoldet

Der Kronprinz will abdanken. Hannes Androsch, viele Jahre lang Anwärter auf das Kanzleramt in Wien, scheidet nun doch aus der Regierung aus, ehe Bruno Kreisky dieses Amt niederlegt.

Berlin: In Bonn schief angesehen

Selten wurden wirtschaftliche Probleme in Berlin kontroverser diskutiert als gerade jetzt. Um die Höhe und Rechtfertigung der Baupreise ist ein böser Streit entbrannt.

Börsen-Report: Angst vor dem Januar

Mit unguten Gefühlen wird in den Börsensälen dem neuen Jahr entgegengesehen. Denn die Nachrichten über einen deutlichen Rückgang der Konjunktur häufen sich und kommen jetzt bereits aus Branchen, die bislang als krisenfest galten.

Keine Fahnenflucht

Bethmann: Mein Parteiaustritt ist keine Affekthandlung aus Verärgerung über bestimmte Vorgänge und Personen. Er ist ein wohlüberlegter Schritt, um unabhängig und selbständig den eigenen politischen Standort vertreten und verdeutlichen zu können.

MANAGER UND MÄRKTE

„Meine Damen und Herren, hier spricht der Kapitän...“ tönte es aus den Bordlautsprechern des Lufthansafluges LH 705 von Hamburg nach Frankfurt.

ZEITRAFFER

Die Chancen bleiben, die Schwierigkeiten wachsen. So beurteilt der Präsident des Groß- und Außenhandels, Hans Hartwig, die Zukunft der wirtschaftlichen Ost-West-Beziehungen.

Läuft uns die Technik davon?

Noch vor zwei Jahren warnte die Wirtschaft vor einem Überangebot an Ingenieuren, heute sucht sie händeringend Nachwuchs. Doch nur „junge, kreative“ Leute sind gefragt

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