• Haben Sie sich über die CDU geärgert?

Bethmann: Mein Parteiaustritt ist keine Affekthandlung aus Verärgerung über bestimmte Vorgänge und Personen. Er ist ein wohlüberlegter Schritt, um unabhängig und selbständig den eigenen politischen Standort vertreten und verdeutlichen zu können. Dieser eigene politische Standort, vor allem auf dem Gebiete der praktischen Wirtschaftspolitik, weicht häufig so stark von der erkennbaren Parteilinie ab, daß er – von einem CDU-Mitglied vertreten – nicht verstanden oder mißverstanden wird und zudem die Partei eher belastet. Der Austritt ist keine Abwendung von der politischen Grundlinie der CDU.

  • Was wollten Sie also mit Ihrem Austritt bezwecken?

Bethmann: Deutlich machen, daß die CDU eine zu schwache und unoriginelle Oppositionspolitik betreibt, vor allem auf dem von ihr früher beherrschten Feld der Wirtschaftspolitik. Hier müßte deutlich werden, daß die Vermögenspolitik, das heißt die Sicherung und Erhaltung der privaten Ersparnisse, höchste Priorität haben muß. Diese politische Aufgabe ist die eigentliche „neue soziale Frage“. Aber mein Hauptmotiv ist die Parteiungebundenheit.

  • So kann wohl weder die FDP noch gar die SPD hoffen...?

Bethmann: Ein Parteiübertritt kommt nicht in Frage. Andere Parteien können aus diesem Vorgang kein Kapital schlagen. Dagegen kann die CDU selbst durchaus Nutzen ziehen, wenn sie gelassen und etwas selbstkritisch reagiert. Mein Schritt 1 ist jedenfalls so gemeint. Die Freunde in der CDU bitte ich um Verständnis und um die Erhaltung des Vertrauens. Das ist keine Fahnenflucht oder gar Verrat.

  • Was hat Sie denn dann an der CDU so gestört?