Von Sigrid Löffler

Eben noch durfte er sich als Held einer Erfolgs-Story fühlen. Noch keine zwei Jahre im Fluggeschäft, und schon sah sich Österreichs Rennfahrer-As und doppelter Formel-I-Weltmeister Niki Lauda mit seiner Mini-Fluglinie vom amerikanischen Nachrichtenmagazin Time auf das wohlwollendste porträtiert – als Jungunternehmer und Charter-Pilot mit hochfliegenden Plänen und Maschinen. Time hatte auch einen der vollmundigen Lauda-Aussprüche zitiert: "Eine Airline zu gründen ist ein riskantes Geschäft und mit tausend Troubles befrachtet."

Die Time-Ausgabe lag noch in den Kiosken auf, als in Wien bereits tausend Troubles über den 31jährigen Selfmade-Millionär hereinbrachen. Von der Stellungskommission des österreichischen Bundesheeres wurde der Spitzensportler Lauda als "untauglich für den Dienst mit der Waffe" befunden – willkommenes Argument für alle, die seit jeher argwöhnen, daß Prominente "es sich richten" können. Von den Steuerfahndern des Finanzamtes wurde Lauda in die Mangel genommen – er soll für seine Welteinkünfte, die er bisher in Österreich nicht versteuert hat, Steuern in Millionenhöhe nachzahlen. Und von der Presse wurde das ehemalige Medien-Idol Lauda in einen – wenn auch indirekten – Verdachtszusammenhang mit dem Korruptionsskandal rund um das Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) gebracht: Eine Firma "Niki Lauda Limited" in Hongkong hat von einer Wiener Firma, die bei diesem Spitalsbau Millionenaufträge erhalten hat, schwer erklärbare fünf Millionen Schilling überwiesen bekommen.

Eine Pechsträhne, die Niki Lauda als "Existenzbedrohung für mich, meine Frau und mein Kind und für die dreißig Angestellten meiner Lauda Air" empfindet. Seine Ängste: Steuernachzahlungen in Millionenhöhe würde Laudas eben erst flügge gewordenes Bedarfsflugunternehmen kaum aushalten; ferner könnte die Kundschaft der "Lauda Air" von der Wehruntauglichkeit des verhinderten Soldaten Lauda auf eine Fluguntauglichkeit des Piloten Lauda schließen; und Laudas werbewirksamster Flugkunde, Bundeskanzler Bruno Kreisky, könnte an eventuellen AKH-Schmutzspritzern auf der Weste seines Lieblings-Piloten geschäftsschädigenden Anstoß nehmen.

Sollte "Lauda Air" jetzt abtrudeln, dann hat Niki einen Sündenbock schon parat: schuld seien nur die Massenmedien. So jedenfalls klagte der einstige Medienliebling ausgerechnet gegenüber Medienleuten. Um sein trübes Image wieder aufzupolieren, hatte Lauda ein Dutzend Journalisten neulich eigenhändig von Wien nach Salzburg geflogen und ihnen seine existenzbedrohte Familie vorgeführt: Gattin Marlene (hochschwanger) und Söhnchen Lukas (samt Kinderwagen). Der clevere Geschäftsmann gedachte mittels Doppelstrategie – Gemütsappell plus Kernsprüche – die Mediengunst für sich zu gewinnen. Seine Beteuerungen liefen auf ein einziges Dementi hinaus: "Ich habe mit dem Scheiß-AKH sicher nichts zu tun."

Tatsächlich hat Niki Lauda den Schlamassel, in den er quasi über Nacht zu sitzen kam, ausschließlich sich selber zuzuschreiben. Beziehungsweise seiner Medienbeliebtheit. Als er noch in der Vollgasbranche seine Runden drehte, sorgten schon die Formel-I-Hagiographen für ständige Lauda-Präsenz in Zeitungen und Fernsehen. Seit er als Charter-Flieger mit seinen beiden Fokker F 27 den Markt oberhalb und unterhalb der "Austrian Airlines" abzudecken versucht, setzt er seine Medienkontakte ganz gezielt ein – zur Gratiswerbung für "Lauda Air". Einmal im Monat präsentiert er – stets mit Parmalat-Schirmmütze – im österreichischen Fernsehen das Männermagazin "Jolly Joker", ein Feministen-Ärgernis, das ganz ungeniert an das Männchen im Manne appelliert und allerlei herr-liche Konsumvergnügungen anpreist, beispielsweise Flugreisen mit "Lauda Air".

Das Fernsehen ist Niki Lauda nun zum Verhängnis geworden. Als er am 7. November vor einer Ausmusterungskommission des Bundesheeres ärztlich untersucht und nach seinen Personalien befragt wurde, war selbstverständlich das Fernsehen dabei, um der Nation die Untauglichkeit des Champions (seiner Verbrennungen wegen) dokumentarisch vor Augen zu führen. Die Nation konnte auch mithören, wie Lauda bestätigte, daß sein Wohnsitz vorwiegend in Österreich sei, daß er aber auch über Wohnsitze im Ausland verfüge.