„Meine Damen und Herren, hier spricht der Kapitän...“ tönte es aus den Bordlautsprechern des Lufthansafluges LH 705 von Hamburg nach Frankfurt. Der Kapitän erklärte die Gegend, die gerade überflogen wurde, berichtete vom Wetter in Frankfurt, wünschte einen guten Flug, schloß dann aber ganz unprogrammäßig: „Im übrigen werden wir auch vom 15. bis 20. Dezember für Sie da sein. Ich liebe meinen Job viel zu sehr,’ als daß ich streiken würde.“ Beifall bei den Passagieren.

Was die Passagiere nicht wissen konnten: Im Cockpit saß Flugkapitän Stefan Hess, Boeing 727-Pilot und einer der drei Geschäftsführer der Condor Flugdienst GmbH (einer Lufthansa-Tochtergesellschaft), der wie alle Flugkapitäne der Lufthansa mit Managementfunktionen regelmäßig auch Liniendienste fliegt, um die Verbindung mit der Praxis nicht zu verlieren. –

Hess hatte sich seine private PR-Aktion ausgedacht, um damit gegen die Warnstreiks Stellung zu beziehen, die die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft in diesen Tagen für das fliegende Personal geplant hat.

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Der Aufsichtsrat der Commerzbank hat entschieden, den bisherigen Vorstandssprecher Robert Dohm von seinem Amt zu entbinden. An seiner Stelle. übernimmt der bisherige Vorsitzende des Aufsichtsrates, Paul Lichtenberg, den Vorstandsvorsitz. Lichtenberg war bereits bis 1976 Vorstandssprecher, ehe er dieses Amt an Dohm abgab. Er hat den Auftrag, so bald wie möglich eine endgültige Lösung zu finden. Neuer Aufsichtsratvorsitzender wurde Kurt Hansen, der auch bei Bayer dieses Amt innehat.

Lichtenberg, starker Mann bei der Commerzbank, wollte keines der Vorstandsmitglieder in diese Position hineinheben. Er sucht vielmehr einen Mann von draußen, der in der Lage ist, mit den Folgen personeller Schwächen und geschäftspolitischer Unzulänglichkeiten aufzuräumen und die Bank wieder auf den Pfad wachsender Erträge zurückzuführen.