Madrid

Rosa Maria Posada könnte auf die Insignien der Macht verweisen, um die Bedeutung ihrer neuen Aufgabe zu illustrieren: Seit ihrer Ernennung zur Sprecherin der spanischen Regierung wird sie täglich von zwei Polizisten eskortiert, die auf neugierige Fragen bereitwillig versichern: „Doña Rosa ist geschützt und in sicheren Händen.“

Eine Dienstlimousine der spanischen Regierung bringt sie täglich von ihrem Haus in der Innen- – Stadt von Madrid zum Amtssitz des Ministerpräsidenten im Nordwesten der Stadt. Hier, im roten Backsteingebäude des Moncloa-Palastes, hat sie ein Büro direkt über dem Arbeitszimmer des Regierungschefs, von den fünf Telephonen auf ihrem Schreibtisch ist eins mit den Vorzimmern der Minister, ein anderes direkt mit Adolfo Suarez verbunden. „Ich habe mich nicht um diesen Posten beworben“, sagt sie in ihrer leisen, immer etwas zögernden Art, „aber nach einer Unterhaltung mit dem Regierungschef habe ich ihm gesagt, daß ich diese Aufgabe nur annehmen würde, wenn ich keine Angst mehr davor habe.“

Das war einige Tage vor dem 24. Oktober, als der spanische Ministerrat sie endgültig zur Regierungssprecherin ernannte. Seitdem ist die kleine, fast ein wenig zerbrechlich wirkende Frau zu „La Fontanera“ geworden: zur einflußreichen, im engen Dunstkreis des Regierungschefs agierenden Beraterin, deren Clique Spaniens Presse leicht gehässig als „Klempnerriege“ bezeichnet.

„Bei mir gibt es keine Geheimniskrämerei“, sagt sie, und jedermann spürt, daß sie sich über solche Etikettierung geärgert hat: Rosa Posada will eine Regierungssprecherin sein, die ihr Verhältnis zur politischen Exekutive, aber auch zur spanischen Öffentlichkeit in klaren, übersichtlichen Bahnen geregelt hat. „Natürlich bin ich jetzt die Stimme der Regierung“, versichert sie und fügt mit Nachdruck hinzu: „Aber ich nehme mir das Recht, zu manchen Dingen eine eigene Meinung zu haben.“

Dieser in der spanischen Regierungsbürokratie gewiß nicht häufig anzutreffende Mut zur eigenen Meinung zeichnet Rosa Posada aus, seitdem sie vor zwanzig Jahren ihre politischen Aktivitäten begann, ohne sich freilich vorstellen zu können, daß man ihr zwei Jahrzehnte später den Stammplatz des Regierungssprechers eines demokratisch gewählten Ministerpräsidenten zuweisen würde. Seit ihren ersten Semestern an der Madrider Universität, wo sie nicht nur die für die Töchter des gehobenen spanischen Bürgertums fast obligatorischen Fächer Literatur und Philosophie, sondern auch Rechtswissenschaften belegte, gehört sie zum Oppositionszirkel um die Zeitschrift Cuadernos para el dialogo: In der mutigen, von dem spanischen Linkskatholiken Joaquin Ruiz-Gimenez edierten Publikation sind unter Franco fast alle namhaften Intellektuellen von der gemäßigten Rechten bis zur äußersten Linken zu Wort gekommen.

Rosa Posada verweist fast eindringlich auf diesen Aufbruch aus damaligen Studententagen, um ihre heutigen Bindungen und Beziehungen zu erklären. Gewiß hat es ihr bei ihrer Blitzkarriere geholfen, daß sie die engere Equipe um den spanischen Regierungschef aus jener Zeit kannte: den zum Generalsekretär der spanischen Regierungspartei aufgestiegenen Arias Saigado und andere spanische Zentrumskandidaten, die sich wie Rosa Posada als „links und progressiv“ bezeichnen. Aber an diesem Profil, das sie während ihrer Studienjahre in Oxford und Straßburg schärfen konnte, will sie nicht rütteln lassen: Sie zählt sich zum linken, sozialdemokratisch orientierten Flügel der Regierungspartei, der sie erst vor zwei Jahren beigetreten ist.