Gewerkschaften fürchten eine Entlassungswelle

Von Hermann Bößenecker

Das hatte es vorher noch nicht gegeben: Auf einer Betriebsversammlung der Siemens AG in der Hofmannstraße in München meldeten sich in der vergangenen Woche nicht weniger als 36 Belegschaftsangehörige zu Wort. Was sie in Besorgnis versetzt und um ihre Arbeitsplätze bangen läßt, ist ein so harmlos klingendes, Wort wie „Aufwand-Nutzen-Analyse“, abgekürzt ANA.

Der Hintergrund: Mit Hilfe der für ihre rigorosen Rationalisierungsaktionen bekannten amerikanischen Beratungsfirma McKinsey will Siemens die ausufernden Gemeinkosten im „Angestellten-Silo“ Hofmannstraße mit rund 22 000 Beschäftigten in den Griff bekommen. Dort domiziliert die Spitze des Unternehmensbereichs „Kommunikationstechnik“, mit gut einem Viertel des Konzernumsatzes von rund 32 Milliarden Mark die größte „Division“ des deutschen Elektro-Multi.

Die Kommunikationstechnik wurde erst vor gut einem Jahr durch Zusammenfassung der früheren Unternehmensbereiche Nachrichtentechnik und Fernschreib- und Signaltechnik gebildet. Es liegt auf der Hand, daß nun Verwaltungsabteilungen verkleinert, Kosten gesenkt, Leerlauf beseitigt werden müssen.

Dies gestehen grundsätzlich auch Betriebsräte und Gewerkschaften zu. Die Frage ist nur, wie man dabei vorzugehen hat. „Wir wehren uns nicht gegen vernünftige Rationalisierungsmaßnahmen“, bekräftigt Franz Schaffeld, beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt zuständig für Rationalisierung im Angestelltenbereich. „Aber wir protestieren dagegen, daß dies allein auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen wird.“

Argwohn bei Arbeitnehmern