Was selten passiert: Zum Weihnachtsfest ist Gold billig geworden! Die Superzinsen in den USA zwingen die Goldspekulanten, sich auch unter Inkaufnahme von Verlusten von ihren Goldhorten zu trennen. Für jene, die Goldbarren und -münzen als Notgroschen betrachten, ist der Zeitpunkt zum Kauf gekommen.

Der Goldpreis macht in diesem Jahr tolle Sprünge. An der Jahreswende 1979/80 lag er bei 634 Dollar je Feinunze (31,10 Gramm), stieg dann vor dem Hintergrund der Afghanistan-Krise bis auf 850 Dollar, gab im März bis 480 Dollar nach, schwankte dann lange zwischen 600 und 700 Dollar. Im Dezember stürzte er vorübergehend bis in die Gegend von 550 Dollar.

Die Haussiers, die den Goldpreis in diesem Jahr bereits bei 1000 Dollar „gesehen“ hatten, liegen schief wie selten. Viele von ihnen haben ihre Goldbestände mit Kredit finanziert, eine teure Angelegenheit, wenn berücksichtigt wird, daß sich die Zinsen für Kredite in den USA zur Zeit wieder bei 20 Prozent bewegen. Jeder Tag verteuert den Goldhort kräftig und vermindert die Chance, während eines überschaubaren Zeitraumes mit ihm Geld verdienen zu können. Die Enttäuschung der Spekulanten ist um so größer, als es nicht einmal die Krise um Polen und der Krieg zwischen dem Irak und Iran vermochten, den Goldpreis wieder zum Steigen zu bringen. Auf Afghanistan hatte er noch mit einer Hausse reagiert. Diesmal bewegt er sich trotz „günstiger“ Vorzeichen immer weiter nach unten, ein Zeichen dafür, wie sehr der Goldmarkt durch die große Hausse am Jahresbeginn durcheinander gebracht worden ist.

Natürlich läßt sich auch heute noch nicht mit Sicherheit sagen, wann der niedrigste Preis erreicht sein wird und wann es wieder aufwärtsgeht. Für denjenigen, der Gold nicht als Spekulationsobjekt betrachtet, sondern als Notgroschen für Zeiten, in denen es mit der Mark schlecht steht, ist jedenfalls ein Zeitpunkt gekommen, um Kaufüberlegungen anzustellen. Dies um so mehr, als sich der Goldpreis bei uns mit jeder Dollar-Kurssteigerung verteuert.

Es ist denn auch kein Zufall, wenn die Bemühungen der Kreditinstitute, den Goldbesitz populärer zu machen, in letzter Zeit intensiviert worden sind. Die Beratung muß zwangsweise individuell sein, weil Kaufentscheidungen in der Regel nach rein subjektiven Gesichtspunkten gefällt werden.

Ich will hier nicht, meine verehrten Leser, die ganze Palette der Goldanlagevariationen vorführen, sondern Sie nur auf einige Neuerungen hinweisen.

Daß der Kauf von Goldbarren, Goldzertifikaten deutscher Banken und Goldmünzen in der Bundesrepublik der Mehrwertsteuer unterliegt, haben die Goldkäufer in diesem Jahr schmerzlich zu spüren bekommen. Dreizehn Prozent Mehrwertsteuer und die mit dem Kauf verbundenen Bankspesen machen eine erfolgreiche Goldspekulation bei uns von vornherein unmöglich. Wer mit Gold eine „schnelle Mark“ machen will, muß ins Ausland gehen.