Was einer Gruppe von Lehrern widerfuhr, die eine Sahel-Tour in die Länder Niger, Obervolta, Mali – zusammen mit einem kleinen, individuellen Reiseunternehmen – organisiert hat, schrieb uns Jos Schnurer:

Reisen in die Länder der Sahel-Zone, das bedeutet heute Reisen von Polizeistation zu Polizeistation. Kaum ein größerer Ort, in dem nicht am Ortseingang (und manchmal auch noch am Ortsausgang) ein Schlagbaum steht, der nur nach einer aufwendigen Paß- und Gepäckkontrolle zu überwinden ist.

Bei jeder Kontrolle werden ausführlich die Personaldaten abgefragt und in eine Liste der Beamten eingetragen, für die Reisenden gibt es jeweils einen Stempel in den Paß. Am Ende unserer Tour waren unsere Reisedokumente mehr als zur Hälfte mit Autorisationen, Sichtvermerken und Stempeln mit schwungvollen Unterschriften gefüllt.

Neben diesen Prozeduren waren in allen drei Ländern weitere Genehmigungen erforderlich, um photographieren zu dürfen; diese Photoerlaubnis läßt sich weder bereits mit dem Visum in der Bundesrepublik beantragen noch beim Überschreiten der Landesgrenze. Sie wird für jeden Verwaltungsbezirk gesondert erteilt: Formular in dreifacher Ausfertigung, jedes mit einem Paßphoto versehen, zeitaufwendige Kontrolle, Abschreiben der einzelnen Daten (Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort, Name des Vaters, Name der Mutter, Marke der Kamera, Fabrikationsnummer) durch den Gendarmen in eine weitere Liste. Endlich die ‚Autorisation de Photographier‘, die bestenfalls bis zur nächsten Kontrolle gültig ist.

Immerhin hat der Botschafter von Mali in der Bundesrepublik, den wir über diese Erfahrungen informiert haben, geantwortet (der Botschafter von Niger reagierte auf ein ähnliches Schreiben nicht) in einem freundlich geschraubten Deutsch: ‚Was mich in Ihrem Schreiben am meisten beeindruckt hat – ist nicht nur der Charakter als solcher der Information, sondern auch vor allem die Form, die Sie dieser Information gegeben haben, in dem Sie es vorgezogen haben, sich als erstes an mich als den Vertreter meines Landes bei Ihnen zu wenden. Ich versichere Ihnen, daß wir sehr viel empfänglicher für diese Form der Information sind als für diejenige, die darin besteht, sich an die Presse zu wenden um zu alarmieren – und ich würde sogar sagen, um die offizielle Meinung zu erschrecken. Diese Art der Information kann nur den erwarteten Effekt hervorrufen und kann nur schädlich sein für das Ziel, das wir verfolgen, nämlich eine größere Kenntnis zwischen den Völkern und ein besseres Verständnis zwischen ihnen herzustellen... Sie können versichert sein, daß die Beobachtungen und die konstruktive Kritik, die Sie vorgebracht haben, den höchsten Behörden, denen in meinem Land der Tourismussektor untersteht, zur Kenntnis gebracht werden...‘

Diese Schilderungen sollen nicht als Anklage verstanden werden; wir aus den Industrieländern sind nur allzu leicht geneigt, mit Arroganz in die Länder der Dritten Welt zu reisen. Vielleicht haben die Grenz- und Kontrollbeamten bereits Touristen, Weiße, erlebt, die ihre ,Überlegenheit‘ zur Schau stellten und ihre Pässe wie ein ‚Sesam-öffne-Dich‘ mit sich trugen. Geduld ist das eigentliche Zauberwort, das die Schlagbäume und Straßensperren öffnet? Geduld, die sich nicht nur in Zeit ausdrücken läßt, sondern vor allem die Bereitschaft, die Menschen in der Sahel-Zone verstehen zu 1ernen.“