Wie New Yorker Banken mit gewagten Kreditmanövern Weltpolitik machten – und wie das Vermögen des Schahs gerettet wurde

Von Anthony Sampson

Washington, im Dezember

Am 16. Januar 1979 floh der Schah im kaiserlichen Privatjet aus dem revolutionären Teheran ins Ausland. Sonderlich überrascht war wohl niemand, daß sich der hohe Flüchtling nach einer Zwischenlandung in Kairo alsbald alter Freunde in Amerika erinnerte: Hilfe suchte er bei seinem alten Gesprächspartner Henry Kissinger und beim Vorsitzenden der Chase Manhattan Bank, David Rockefeller, dessen Geldinstitut ein gleichsam inniges Verhältnis mit dem kaiserlichen Familienvermögen pflegte.

Die massenhysterischen Ereignisse in Teherans Straßen, die sich schließlich zur Geiselnahme in der US-Botschaft am 4. November 1979 steigerten, sind ohne die enge Verbindung des Schahs mit Rockefellers Organisation kaum vorstellbar.

Daß David Rockefeller mehr als zwanzig Jahre mit dem Schah befreundet war, scheint freilich nicht sonderlich ungewöhnlich – der ungekrönte König des internationalen Bankgeschäfts verhielt sich selbst stets wie ein Gesalbter. Und er pflegte freundschaftlichen Umgang mit den Potentaten und Monarchen dieser Erde. Der König der Könige, Reza Pahlevi, öffnete Rockefeller die Türen zum Reichtum Irans.

David Rockefeller geriet in das Dilemma aller Bankiers, die Geschäfte mit autokratischen Regimen machen: Wem gewähren sie eigentlich ein Darlehen – dem Land oder dem Herrscher? Rockefeller löste es auf seine Weise: „Unser Geschäftspartner ist nicht der Herrscher, aber wir können ihn auch nicht einfach übergehen“, sagte er mir. „Nach Möglichkeit geben wir nur Darlehen, die dem Land nützen und die auch ein Nachfolgeregime akzeptieren kann.“ Die meisten Perser sahen die Transaktionen freilich anders: Zwei Monarchen machten Geschäfte.