Hätte nicht der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Norbert Gansel wieder einmal seine Nase in Dinge gesteckt, die ihn von Staats wegen nichts angehen sollten, so wäre die haarsträubende Geschichte wohl erst ruchbar geworden, wenn nichts mehr zu reparieren gewesen wäre: Die Kieler Howaldtswerft soll zwei Unterseeboote für Chile bauen. Zwar ist der Vertrag noch nicht unterzeichnet, aber das Auswärtige Amt, das Bundeswirtschaftsministerium und zu guter Letzt der Bundessicherheitsrat hatten dem Bau schon vor längerer Zeit zugestimmt.

Der Waffenhandel ist ein Kapitel für sich, und in der Bundesrepublik ein besonders trübes dazu. Vielleicht hat sich die Bonner Obrigkeit, ansonsten der Menschenrechts-Deklaration verpflichtet, in diesem Falle salviert gefühlt, weil U-Boote normalerweise nicht zur Verfolgung politischer Gegner eingesetzt werden. Vielleicht hat das Auswärtige Amt, anders als der Papst, nicht an die Möglichkeit eines Krieges zwischen Argentinien und Chile geglaubt; schließlich hatte die Bundesrepublik auch Argentinien bereits mit einem U-Boot beliefert. Vielleicht hat irgend jemand sogar an die Sicherung der Arbeitsplätze gedacht. Wie auch immer: Die Lieferung von Kriegsmaterial putzt das Ansehen eines Regimes heraus, das nach wie vor mit Folter und drakonischen Strafen gegen die Opposition vorgeht und neuerdings sogar die katholische Kirche verfolgt.

Nun schäumt die SPD-Bundestagsfraktion vor Wut, weil sie sich von der Regierung hintergangen fühlt. Auch die IG Metall, die den Arbeitern in Chile Solidarität geschworen hat, steht schlecht da, seit die Kieler Werftarbeiter auf die Solidarität pfeifen und lieber die Kriegsschiffe für Pinochet bauen wollen. Doch das sind Sorgen der Partei und der Gewerkschaft? Den übrigen Bürgern der Republik aber darf es ebenfalls nicht gleichgültig sein, wie es um die moralische Reputation der Bundesrepublik in der Welt bestellt ist. Wer es ernst damit meint, der kann keinen Zweifel haben: Bonn muß die Genehmigung zurückziehen. kj.