Auf dem Düsseldorfer Kunstmarkt, Mitte November, war es das beherrschende Thema und in absehbarer Zeit wird es das kunstpolitisch beherrschende Thema bleiben, weshalb auch die „Privatinitiative Kunst“ in der vergangenen Woche in Bonn zu einer kleinen Diskussionsrunde eingeladen hatte zu diesem Thema: Die Stiftung Ludwig und die Folgen.

Als im September dieses Jahres zum erstenmal das Gerücht zur Information wurde, daß die reichen rheinischen (ein natürlicher Stabreim) Sammler Irene und Peter Ludwig über das „eigene“ (von der Stadt Köln bis 1985 zu bauende und mit vorwiegend der Sammlung Ludwig zu füllende) Museum hinaus ihre Kunstschätze (zu denen zum Beispiel auch mittelalterliche Handschriften mit Millionenwert gehören) in einen großen, nationalen Stiftungszusammenhang einbringen wollten, da war das eine gute Nachricht, die auch in dieser Zeitung begrüßt wurde. Eine gute Nachricht vor allem aus sehr offensichtlichen Gründen: 1. sind Stifter rar in diesem Land; 2. die Nationalstiftung, seit 1973 versprochen, war inzwischen wenn nicht zum Trauma, so doch zur Frustration geworden; 3. die Sammlung Ludwig gilt als die größte, will sagen wertvollste Privatsammlung der Welt. „Der Sammler geht voran“, hatte Gert von der Osten 1969 zur Begrüßung der hundert Dauerleihgaben der Sammlung Ludwig im Wallraf-Richartz-Museum geschrieben. Warum nicht auch der Stifter?

Der Stifter jedoch ist, nachdem der Satzungsentwurf der Stiftung bekannt wurde, manchem zum Alptraum geworden. Und aus sehr unter-Richtungen, von Künstlern, Museumsleuten und Kritikern kommt Zweifel, Widerspruch und Widerstand, den aber gerade die, denen das Zustandekommen einer Stiftung Ludwig am Herzen liegt, sehr ernst nehmen sollten.

Die Ängste, die aus vielen verschiedenen Richtungen kommen, laufen alle auf einen simplen Punkt hinaus: Man fürchtet sich vor der Machtfülle, die hier ein Privatmann in einer Angelegenheit bekommt, die in die Kompetenz des Staates fällt. Man fürchtet sich davor, daß Peter Ludwig den Bundeskultusminister, den es ja in diesem Lande nach dem Willen der gesetzgebenden Gründungsväter nicht gibt, doppelt und dreifach ersetzt und alle Kunstpolitik dann nur noch von Ludwigs Gnaden stattfindet.

Bei manchen, zum Beispiel den Künstlern, scheint das eine eher irrationale Furcht zu sein. Denn eines kann man ja Peter und Irene Ludwig nicht vorwerfen: daß sie eine selektive, einseitige Ankaufpolitik betrieben hätten.

Bei anderen aber gibt es Gründe des Widerstands gegen eine Stiftung Ludwig, so wie Ludwig sie wünscht, die man bei Namen nennen kann. So hat zum Beispiel Werner Schmalenbach die sehr reale Befürchtung, daß sich die Finanzmittel für seine Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in dem Moment erheblich vermindern, wo dieses Bundesland, das ohnehin für 1981 eine Milliarde Defizit im Haushalt hat, sich finanziell in einer Sache engagiert, die Bundesdimensionen annimmt.

Sammlung Ludwig, Museum Ludwig, Stiftung Ludwig – daß in diesem Land der industriellen Imperien auch mal ein Kunst-Imperium aufgebaut wird, ist gewiß positiv. Daß das Land Nordrhein-Westfalen dadurch aus dem finanziellen Gleichgewicht in seiner Kunstpolitik gerät und der Bund glaubt, dadurch aus dem Schneider zu sein mit der heiklen Nationalstiftung, ist weniger positiv.